Der Spreewald | WDR Reisen

Kommen Sie mit uns in den wohl schönsten Zauberwald Deutschlands Er bezaubert im Sommer genauso wie im Winter. Willkommen im Spreewald! Der Spreewald liegt nur eine Autostunde von Berlin und Dresden entfernt, im Südosten Brandenburgs Hier teilt sich die Spree in unzählige Wasserarme, die wie ein Labyrinth das Land durchziehen 1500 Kilometer Wasserwege durch Wälder, Wiesen und Dörfer Hallo. Na, wen haben wir denn da? Und? Hab ich dir zuviel versprochen? Richtig feierlich. Bin ganz ergriffen. Was Besonderes für heute, wenn du schonmal im Spreewald bist Hallo EliZah. Freue mich sehr, dich kennenzulernen, guten Abend! Ich mach dir Platz… Wärmflasche im Rücken, damit du nicht frierst Als ob ihr mich schon ewig kennen würdet Das ist übrigens Hagen, und Hagens Frau ist für die Wärmflasche verantwortlich Schönen Gruß an die Frau – sie kennt sich aus Richtig kuschelig. EliZah, ich freue mich sehr, dich kennenzulernen Das ist EliZah, eigentlich in Cottbus geboren, gar nicht weit weg von hier, lebt aber schon seit Jahren hier im Spreewald Ich freue mich total, jetzt die Tage mit dir unterwegs zu sein Wie schon gesagt, ich finde es so bezaubernd hier, ja wenn man sagen würde wo soll man auf jeden Fall im Leben hin – einmal ans Meer und einmal Spreewald Und warum? Die Natur es ist einfach wirklich märchenhaft Du wirst es erleben heute mal bei einer Lichter-Kahnfahrt So eine Lichter-Kahnfahrt in der dunklen Jahreszeit ist wirklich überwältigend Wie könnte man besser in die Stille und Mystik dieser Landschaft eintauchen? EliZa, das ist echt traumhaft schön, gerade auch mit den Fackeln, das hat richtig was Mystisches, hier durchzugleiten Das ist eigentlich der Moment für so ein kleines Märchen Spreewaldsagen kennst du ja Ich hab gehört, es gibt einige Es gibt einige. Und weißt du, wie der Spreewald entstanden ist? Also, pass auf Es ist so gewesen, dass früher mal der Teufel den Wald gepflügt hat, mit zwei Ochsen Dabei hat er wild mit der Peitsche um sich geschlagen und hat er gebrüllt, so so dass die Ochsen durchgegangen sind und hinterließen tiefe Furchen Bei diesen tiefen Furchen ist dann irgendwann später Wasser reingeflossen und es wurde zum Spreewald. Das sind eure Fließe, eure heutigen Unsere heutigen Fließe, genau Und im Winter muss das doch hier… unfassbar schön sein Es ist auch wirklich schön. Magst du Schlittschuh fahren? Dann komm mich nochmal im Winter besuchen. Das ist echt traumhaft Es ist still, sehr still – im winterlichen Spreewald Dann verwandelt sich die Flusslandschaft in eine weiße Glitzerkulisse, die wie nicht von dieser Welt scheint Wenn die schmalen Wasserarme zufrieren, kommen die Schlittschuhläufer Wie so eine Wasser-Landschaft entstehen kann? Der Spreewald ist ein Vermächtnis der Eiszeit Gletscher schufen ein Tal, und die Spree teilte sich in ein fein gegliedertes Netz von Wasserarmen Sie werden auch “Fließe” genannt *Musik* Seit 1991 ist der Spreewald Biosphärenreservat der UNESCO Hier finden Pflanzen und Tiere, die andernorts inzwischen selten sind, einen ungestörten Lebensraum Was aussieht wie im Amazonasdschungel, ist in Wirklichkeit von Menschen angepflanzt

Der “Hochwald” ist Europas größter Erlenauwald Ein empfindliches Ökosystem, mit dem Förster und Ranger behutsam umgehen Wir haben hier im Hochwald die Zone 1 und die Zone 2. Links von uns die Zone 1 als Totalreservat und auf der rechten Seite die Zone 2. Beides zusammen vom Status her Naturschutzgebiet Wenn wir da rein dürften, reinfahren könnten, dann wäre möglich, dass man den Biber sehen kann, den Fischotter oder auch der Schwarzstorch, der eventuell hier rumfliegt oder auch der Seeadler Früh am Morgen lässt sich der Schwarzspecht blicken Im Wurzelgeflecht der Fließe fühlen sich die Fischotter pudelwohl Sie sind die Charaktertiere des Spreewaldes und europaweit eine seltene und deshalb geschützte Marderart Im “Hochwald” tummelt sich auch viel Rotwild In den Fließen hofft es im Sommer auf eine kleine Erholung. Wenn nur die Mücken nicht wären Den Schwarzstorch eine Etage höher juckt das wenig Er ist eines der seltensten Tiere im Hochwald. Nur noch drei Paare gibt es hier Wir sind nun unterwegs in Lehde. Das winzige Dorf liegt im Herzen des Oberspreewaldes und ist – ohne Übertreibung – D A S typischste und schnuckeligste Spreewalddorf, das man sich vorstellen kann Übrigens die Straße, auf der wir jetzt gehen, die gibt’s erst seit 1929 Ansonsten besteht der ganze Ort ausschließlich aus Inseln, die nennen wir hier Kaupen Und war früher wirklich nur übers Wasser erreichbar? Ist auch heute noch so. Viele Höfe sind wirklich nur übers Wasser erreichbar Touristen lieben das Dorf. Fast alle kommen mit dem Kahn „Lagunenstadt im Taschenformat“- das schrieb im 19. Jahrhundert der Dichter Theodor Fontane auf seiner Reise durch den Spreewald Der gesamte Ort steht unter Denkmalschutz, und ich finde, du musst ihn dir unbedingt mal vom Wasser aus anschauen Das mache ich auf jeden Fall noch, ich werde nämlich gleich abgeholt Und wir sehen uns dann auf dem Gurkenradweg wieder Da isser ja. Hallo! Wo darf ich hin? Am besten gleich hier zu mir hier hinten, vielleicht auf der rechten Seite bisschen bleiben Das ist Manuela Filko, eine echte Lehdsche, so nennt man die Einwohner hier in Lehde, und sie zeigt mir jetzt ein bisschen diesen besonderen Ort, und dann fahren wir auf Ihren Hof und ich darf mir das Landleben angucken Der Kahn parkt am Weg, wie bei uns das Auto. Ohne ihn kämen die Einwohner hier nicht vom Fleck Die meisten Lehdscher leben, wie meine Kahnfährfrau Manuela vom Tourismus Früher wurde hier Fischfang und Landwirtschaft betrieben – das lohnt sich schon lange nicht mehr Aber die alten Traditionen, die gibt es hier noch an allen Ecken Ja, das sind diese Fischkästen. Da wird der gefangene Fisch, den man nicht gleich schlachten möchte, noch ein paar Tage drin aufbewahrt Kann ich gerne zeigen, wenn wir bei uns zu Hause sind, da sind auch noch ein paar Fische im Kasten drin Und unsere Männer wollen morgen auch wieder Fischen fahren Hier haben wir jetzt noch mal so einen Heuschober, unser typisches Landschaftsbild hier Ein Prachtexemplar. Wird gebaut, um im Winter das Vieh versorgen zu können Und man sagt immer, einen so nen Schober brauchte man für eine Kuh übern Winter Dass also da vorgesorgt werden musste Hier links haben wir noch ganz altes Blockhaus mit Schilfdach, und hier sieht man auch mal sehr schön oben diese Wahrzeichen des Spreewaldes… der besondere Giebel, ja

Und was bedeutet das? Das soll also den Schlangenkönig darstellen. Man sieht da oben den kleinen Kopf von der Schlange und die Krone da oben drauf. Es gibt hier also sehr viele Sagen und Geschichten über die Schlangen im Spreewald. Wir haben heute also noch die Ringelnatter als einheimische Schlange, aber früher haben die Leute sehr viel an Sagen und Gestalten geglaubt und deshalb hat man diese Schlangenköpfe auch immer als, ja, als Behüter sozusagen hier an den Häusern angebracht Die sollen nämlich Krankheiten, auch Brände, überhaupt irgendwelche Gefahren vom Haus fernhalten Manuelas Hof, der “Quoddablick” ist auch nur vom Wasser aus zu erreichen So müssen auch die Feriengäste anreisen Sehr entspannend! Andrea, damit du mir nicht ganz einschläfst hier, du bist ja jetzt schon ganz entspannt Ja, aber das ist auch wirklich… das ist ja wie eine Meditation Willst du das mit dem Kahnfahren mal probieren? Einmal so ein bisschen rumdrücken, dass du den Kahn hier rüberdrückst Daran muss man sich aber erst mal… warum ist das so langsam? Noch drei Kilometer fahren, dann klappt das Dann hab ich Muskelkater Ich fange jetzt in Venedig an! Hallo! Da werden die Kartoffeln gewaschen. Ja, das sind die Kartoffel, die es heute Abend geben soll Hallo. Die neue Kahn-Fähr-Schülerin Dankeschön Manuela und ich dampfen ab in die Küche und treffen Vorbereitungen fürs gemeinsame Essen mit den Feriengästen vom Quoddablick. Und die Männer, die kümmern sich um den Fisch. Wie sich das gehört Schon seit Jahrzehnten gehen die Filko-Brüder Fritz und Harry zusammen fischen Und jedes Mal kribbelt es, als sei es das erste Mal Also. Ich bin unheimlich aufgeregt Das ist wahrscheinlich der Jagdinstinkt da freut man sich schon die ganze Zeit da kann man die Nacht nicht schlafen Das ist eben schön so Und das ist ja nicht nur fischen. Was wir hier schon gesehen haben, riesengroße Hirsche, Wildschweine Fischadler, und das ist eben absolut Paradies Früher waren die Fließe voll Hecht, Zander, Karpfen und Schleie Der Fischreichtum hat stark nachgelassen – trotzdem haben die Brüder heute Glück Da kommt ein Hecht, der ist nicht schlecht Kann man ja schon Schnaps trinken! Das geht ja gut los, Bruder Das hat man sich eben verdient. Erst der Oberfischer Wenn man den ersten Edelfisch gefangen hat, dann trinkt man erst mal ein Schnäpschen Wurde immer so gehandhabt und wird auch weiterhin so gemacht, sonst hat man kein Glück beim Fischen ganz einfache Geschichte Der ist gut, Bruder! Das Recht zu fischen wird im Spreewald mit dem Grundbesitz einer Familie weitervererbt Das war auch bei den Filkos so Wenn der Fang groß ausfällt, verkaufen sie manchmal auch an die Gasthöfe im Dorf Heute aber warten die Hausgäste auf frischen Fisch aus dem Fließ So, es ist soweit! Der Hof der Familie Filko ist ja, wie gesagt, fast ganz von Wasser umgeben Das ist romantisch, kann aber auch ganz schön umständlich sein, zum Beispiel in der kalten Jahreszeit Winter in Lehde. Bei klirrender Kälte lässt sich keiner gerne hinterm Ofen hervorlocken Nur manche müssen trotzdem immer raus Wie Dieter Adler, das ist der Müllmann des Dorfes Also es ist beschwerlich, die Tonnen sind schwer Durch die Asche, es wird ja noch zum größten Teil mit Holz und Kohle hier geheizt Im Sommer dann mehr andere Abfälle durch die Urlauber und Touristen hier Im Winter helfen sich die Einwohner von Lehde gegenseitig. Denn gerade in der kalten Jahreszeit ist das Arbeiten auf dem Kahn beschwerlich. Und dann passieren auch schon mal unvorhergesehene Geschichten Na ja das war ne Absprache mit nem Kunden jetzt hier, der war in Urlaub, ob ich

seine Tonne aus dem Schuppen holen könnte Waren vielleicht so 15, 20 Meter, hab den Kahn nicht mit Ketten fest gemacht sondern nur mit einem Rudel angestochen, da war bissel Strömung Als ich wiederkam, war der Kahn schon 3, 4 Meter weg. Ja, was mache ich nun? Mal umgeguckt, ob da ein Boot steht, ein Kahn, es war keiner da, ähnlich so ein Wetter wie hier, Hab mich dann so weit es ging ausgezogen, bin ins Wasser, bin zum dem Kahn hingeschwommen und hab ihn wieder zurückgeholt Ist eigentlich nicht zum Lachen, aber wenn man sich das hinterher so mal überlegt, muss man schonmal schmunzeln bei solchen Sachen Dieter Adler kann mit Recht von sich behaupten, der Müllmann mit dem ungewöhnlichsten Arbeitsplatz in Deutschland zu sein Die Feuerwehr des Inseldorfes ist ebenfalls ziemlich einzigartig Auch das Löschfahrzeug ist ein Boot. Denn auf dem Wasserweg sind die Höfe nun mal am schnellsten zu erreichen Allerdings sind die Bedingungen im Winter für die Feuerwehrleute wirklich nicht einfach Ja das ist ne schwierige Situation. Wenn das Eis richtig hält, kein Problem, dann nehmen wir den Handwagen, oder wird das Zeug auf den Schlitten verladen, muss hingezogen werden, schwierig ist es immer, wenn das Eis nicht richtig hält, dann muss halt improvisiert werden Bis jetzt hat man im Notfall auch immer ne Notlösung gefunden Gut, dass der letzte große Brand schon viele Jahre her ist Deutschlandweit einmalig ist auch Zustellservice der Post in Lehde Andrea Buhne ist die einzige “Postkahnfährfrau” Deutschlands Im Winter ist sie zu Fuß zwischen den Kanälen unterwegs und muss ordentlich marschieren Das ist wesentlich einfacher im Sommer, wenn ich mit dem Kahn hier unterwegs bin, da sind die Gehöfte schneller und besser zu erreichen In der Woche hat Andrea Buhne an die 600 Briefe an die Lehdscher zu verteilen Für diesen Job braucht sie eine gute Kondition, wenn sie durch den Schnee stapft In der Wintersaison ist man hier manchmal Spurenleger, also, wenn’s schneit und keiner war vor einem auf diesem Wanderweg, kann das schon passieren, dass man die erste ist hier Diese Einsamkeit genießt sie. Denn im Sommer ist die Kahnfrau von der Post eines der beliebtesten Fotomotive bei den Touristen im Spreewald Unsere Reise geht nun in den südlichen Oberspreewald Dort liegt Burg, übrigens die größte Streusiedlung Deutschlands Das heißt: das Dorf verteilt sich auf einer riesigen Fläche ohne eigentlichen Ortskern Ein Wahrzeichen hat Burg aber doch, nämlich den Bismarckturm Und einen wunderbaren alten Spreewaldbahnhof. Hier bin ich verabredet Im alten Bahnhof, erzählt mir EliZa, ist ist immer gerammelt voll, nicht nur wegen des originellen Getränketransports, auch wegen der guten Spreewälder Hausmannskost Mit der Schaffnerkelle geben die Gäste übrigens neue Bestellungen auf Der Gastraum ist bis unter die Decke voll mit Relikten aus alten Bahnzeiten Kinder finden es hier endlich mal nicht langweilig, mit ihren Eltern essen zu gehen Wir schwingen uns auf die Räder und folgen dem Zeichen der radelnden Gurke Der Gurkenradweg führt auf 260 Kilometern einmal kreuz und quer durch den Ober- und Unterspreewald Vorbei an vielen schönen Orten und touristischen Sehenswürdigkeiten Schau mal – da sind Rehe! Ich muss dir auch gleich noch mal was zeigen, und zwar… lass uns mal hier vorne rausfahren

Hier zum Beispiel das ist auch eine Art, wie man hier übernachten kann Das sind Ferienhäuser, die dann einfach mal für so eine Woche deins sind Klasse. Würde ich sofort einziehen. Hier vorne dann frühstücken ja bestimmt so mit offenen Kamin Vielleicht das nächste Mal Für alle, die eine mehrtägige Tour auf dem Gurkenradweg nicht selbst planen wollen, gibt’s organisierte Angebote mit Gepäcktransport Übrigens: Wenn man der Gurke folgt, kann man gelegentlich auch mal eine probieren Es gibt eine Menge Stände und Biergärten, wo die berühmte Spreewälder Spezialität angeboten wird Sag mal, hast du schon die Gurken probiert? Nee, hier noch nicht Dann weißt du ja noch gar nicht, welche dir am besten schmeckt Nee. Ihr habt verschiedene, ne? Die gute Frau wird uns wahrscheinlich mal die eine oder andere probieren lassen Dürfen wir mal probieren? Ja, gerne Ich habe verschiedene Sorten an Gurken, Gewürzgurke, Senfgurke, Knoblauchgurke und saure Gurke Die saure Gurke ist besonders zu empfehlen, das ist die älteste Gurke aus dem Spreewald und die erste, die es überhaupt gab Würd ich gern probieren! Ich dachte, das sind alles saure Gurken aber vielleicht hab ich hier ganz neue Geschmackserlebnisse Die saure Gurke Wenn ich das schon höre, läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen Die ist nur mit Salz und mit Dill eingelegt Lassen Sie es sich schmecken! Wie fing es eigentlich an mit dem Exportschlager aus dem Spreewald? Vor hunderten von Jahren brachten einst die Niederländer den Gurkenanbau in die Region Damit hatten sie damals bereits Erfahrung. Die nährstoffreichen und feuchten Böden im Spreewald waren wie geschaffen für das Kürbisgewächs. Auch die Logistik war damals schon perfekt: vom Feld per Kahn direkt auf den Markt Nach der Wende war die Spreewaldgurke eines der wenigen DDR-Produkte, die ohne Unterbrechung weiter bestehen konnten Die ganze Welt will Spreewaldgurken. Selbst nach Amerika und Australien werden sie exportiert. Im Sommer schieben sich jede Menge Touristen über die Gurkenmeile in Lübbenau Knackig muss sie sein nach Kräutern, säuerlich Macht halt diesen Geschmack aus Ich kannte sie nicht, weil ich nicht von hier bin Ich komme aus Chile. Aber die schmecken sehr, sehr gut Die Gurkenernte ist mühsam. Erntehelfer pflücken sie per Hand – bäuchlings liegend auf diesen Monstern – auch Gurkenflieger genannt Bis zu 46.000 Tonnen Gurken werden pro Jahr im Spreewald verarbeitet Jeder Betrieb hat natürlich sein eigenes Rezept, das streng gehütet wird Klassisch ist die Spreewälder Dillgurke, die einfach nur durch Salzwasser haltbar gemacht wird Hier rollt die zukünftige Senfgurke übers Band. Sie wird aus den größeren Exemplaren hergestellt und geschält Frische Kräuter wie Thymian sind neben Senfkörnen die wichtigste Zutat Durch die Erhitzung bleiben die Gurken mehrere Jahre haltbar Diese Gurkenfabrik, die Firma Rabe bei Lübbenau, hat ihre Pforten übrigens für Besucher geöffnet Ein Tipp für einen Zwischenstopp auf dem Gurkenradweg Unsere nächste Station führt uns nach Straupitz am nördlichen Rand des Oberspreewaldes Das kleine Dörfchen war einst ein blühender Marktfleck Aus diesen Zeiten stammen noch die alten Gebäude wie dieser Kornspeicher Nach der Wende hat Straupitz neuen Glanz erhalten

Straupitz ist sehr beschaulich und hat auf den ersten Blick wirklich was total Unspektakuläres Aber man darf sich nicht täuschen: hier gibt es zwei sehr bemerkenswerte Gebäude, das war auch ein Tipp von Ihnen, vielen Dank an Nicole Gerber-Manns und vor dem einen stehe ich jetzt hier, und so einen Bau erwartet man hier wirklich nicht Die Dorfkirche in Straupitz wird auch Schinkelkirche genannt, denn sie wurde nach den Plänen des berühmten, preußischen Meisters Karl Friedrich Schinkel erbaut Die Kirche ist ein Meisterwerk des Klassizismus, vollendet 1832 Die Innenausstattung ist schlicht, aber original und vollständig erhalten Dass der große Schinkel eine Kirche für das kleine Straupitz entwarf, war eine Gefälligkeit Ein adeliger Dichter aus dem Dorf war mit ihm befreundet Von den Türmen bietet sich ein guter Blick auf das zweite überraschende Gebäude des Dorfes Und dann hat Straupitz noch diese Holländer Windmühle Ja, ich weiß, Windmühlen gibt es viele, Sie haben vollkommen recht, sehr viele, überall, aber die, die kann mehr als andere, obwohl man ihr das gar nicht ansieht Das ist eine Dreifach-Windmühle, und zwar eine der letzten in Europa, bei der auch wirklich alles noch funktioniert. Diese Mühle kann Korn mahlen, Öl pressen und Holz sägen Hallo Herr Nowak. Hallo Andrea, herzlich willkommen! Und wie die Straupitzer sagen: Glück zu! Glück zu. Und wie kommen wir hoch – Treppe? Treppe einmal, aber wir haben auch einen Fahrstuhl hier. Das geht schneller Ja, den probieren wir mal aus Einmal den Rucksack… ja Wo halte ich mich fest? Bei mir Hier sind wir jetzt auf der ersten Etage Das ist ja ein Abenteuer Aber mit Ihnen fühle ich mich sicher Gerd Nowak ist Geschäftsführer des Mühlenvereins, der in dem Gebäude von 1850 alle drei Gewerke wieder ans Laufen gebracht hat. Zu DDR-Zeiten wurde der Mahl- und Ölbetrieb eingestellt Nur das Sägewerk arbeitete bis zur Wende weiter Die Turmhaube mit dem mächtigen Kammrad zur Übertragung der Windkraft ist beeindruckend, auch wenn man kein expliziter Mühlenfan ist So, hier sind wir jetzt in der Ölmühle Klappert schon alles Ja, das ist Leinsamen, den kenne ich. Den tu ich so ins Müsli. Nee – so nicht ins Müsli Weil, Sie zersetzen den Samen weder mit dem Magen noch mit den Zähnen, der kommt so wieder raus Der muss aufgebrochen werden Und wie mache ich das, aufbrechen? Mit der Mühle mahlen, alte Kaffeemühle, oder mit dem Mörser zerkleinern Der muss aufgebrochen werden Das hab ich jahrelang falsch gemacht Und wie wird jetzt daraus Öl? Wir müssen jetzt hier 10 Kilo abwiegen, in einen Bottich Leinsamen sind übrigens die Samen vom Flachs. In dieser Maschine werden die Samen aufgebrochen. Es wird ein wenig Wasser zugefügt, so dass ein Brei entsteht Eine Besonderheit hier: Der Leinsamen wird geröstet Dadurch entsteht später im Öl ein angenehm nussiger Geschmack Nun geht’s bald ans Auspressen Die noch warme Masse wird in uralten Formen verteilt, die später in die Presse kommen Die ist etwas größer Das ist schön warm Schön in die Mitte. Einfach bloß hochnehmen und fallen lassen Ja, super! Jetzt kommt die schwerste Arbeit Wechseln der Formen Weil die so schwer sind. 50 Kilo haben Sie gesagt Nee, das geht nicht 50 Kilo. Für Gerd Nowak offenbar ein Klacks Und dann fließt es, das gesunde Öl mit den wertvollen Omega-3-Fettsäuren

In der Mühle kann man sich dann gleich vom Geschmack des Spreewaldgoldes überzeugen Ja, und so isst man das Leinöl hier am liebsten, das typische Spreewälder Nationalgericht: Quark mit Leinöl und Pellkartoffeln Ich bin auf dem Weg nach Lübbenau. Das kleine Städtchen wird gern als die touristische Hauptstadt des Spreewaldes bezeichnet Viel los ist in der Altstadt mit den bunten Häuschen nicht Die Altstadt mit der barocken Nikolaikirche und den klassizistischen Bürgerhäusern wurde im Krieg nicht zerstört. Sympathisch und beschaulich – nicht umsonst ist Lübbenau der beliebteste Ausgangspunkt für Erkundungstouren durch den Spreewald Das ist ja ein netter Laden. Ist das ein Supermarkt? Ja, so kann man sagen, so ein kleiner Supermarkt “Was macht den Spreewälder stark? Kneedeln, Leinöl und Quark.” Kartoffeln. Leinöl und Quark, so wie man’s kennt im Spreewald Seit Mitte des 19. Jahrhunderts kommen die Ausflügler in den größten Hafen des Spreewaldes, um eine traditionelle Kahnfahrt zu machen Hier ist ja jetzt richtig viel los Es gibt ja auch hier die ganzen Bogenstände, das ist so Wie soll man sagen, das Herzstück von Lübbenau, das ist der große Hafen Und viele Touristen, oder? Auch jetzt noch, aber im Sommer ja noch viel mehr Im Sommer viel mehr, aber es geht über das ganze Jahr, im Winter ist ja auch total was los Zwei Millionen Besucher im Jahr, das sagt eigentlich alles Zwei Millionen! Und nicht weit weg von der Altstadt kommen wir jetzt zum Schlosspark Sieht ja klasse aus. Da kann man einfach so reinmarschieren? Ich finde das wirklich schön! Die Grafen machen das wirklich für jeden zugänglich, man kann es im Sommer wie im Winter genießen, ist einfach herrlich Und jetzt mit dem Indian Summer-Touch hat es wirklich was ganz Zauberhaftes Gehst du hier joggen? Ab und zu ist das auch mal meine Joggingstrecke Man kann auch spazierengehen oder auch im Hotel übernachten, weil, das Schloss ist jetzt ein Hotel Und dann kann man den Park vom Fenster aus betrachten und einfach mal einen romantischen Abend haben Ja, und das alles unter der Führung der Grafen zu Lynar, und die lernen wir jetzt mal kennen So schmuck sieht es hier noch nicht lange aus. Während der DDR-Zeit wurde das Schloss als Kinderheim genutzt und nicht sehr gepflegt So hat es die Gräfin 1992 in Empfang genommen Die Handwerker haben damals alle nur die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und haben gesagt “Oh Gott”, reißen wir das Ding doch ab Und dann hab ich gesagt, dann bauen wir es wieder neu auf, so wie es aussah, und wer baut mir die Seele da mit rein? Die gräfliche Familie hatte ihren Stammsitz verlassen müssen, weil sie 1944 von den Nationalsozialisten enteignet worden war Der Grund: Schlossherr Wilhelm Friedrich zu Lynar war beschuldigt, am Putsch gegen Hitler beteiligt gewesen zu sein und wurde deshalb hingerichtet Darauf wanderten die Lynars nach Portugal aus Ein Porträt des mutigen Vorfahren hängt heute im Treppenhaus des Schlosses Für ihn machen wir auch ne ganze Menge. Es ist die Verpflichtung ihm gegenüber, in allererster Linie, und darüber hinaus über die lange, lange Familientradition Erst nach der Wiedervereinigung wurde der Familie als Opfer des Hitlerregimes das Schloss zurückgegeben Für mich wars natürlich eine große Chance, so etwas machen zu können Und Verpflichtung war es sowieso, weil in dem Moment, wo wir ein Restitutionsfall waren, kann man eigentlich nicht mehr “nein” sagen Auch für Sohn Rochus war die Entscheidung zurückzukehren klar Der Spreewald ist unsere historische Heimat, die Heimat unserer Familie Das Interessante ist, meine Kinder werden jetzt hier groß und die werden echte Spreewälder, für die ist der Spreewald ihre Heimat Ich habe jetzt noch ein Date in Lübbenau

Ich glaube, es wird sehr aufregend, ich werde dir berichten. Ja, erzähl mir alles! Ganz genau Am besten in Lübben, da sehen wir uns ja wieder Genau, zum Paddeln Freu mich drauf. Bis dahin, tschüs! Ich hatte Ihnen ja gesagt, ich hab hier ein Date Gleich mit 16, aber sie sind sehr, sehr klein, aber sehr süß, wirklich! Das Spreeweltenbad Lübbenau ist ein normales Schwimmbad und gleichzeitig ein Zoo Absolut einmalig in Europa! Die Besucher können ganz nah an die 16 Humboldtpinguine heran und sie beim Schwimmen beobachten. Täglich gibt es Schaufütterungen Laura ist die Tierpflegerin hier, zuständig für diese 16 Pinguine Und ich glaube, du kennst jeden persönlich, ne? Ja, doch, ziemlich persönlich. Ihr seid alle per du *pfeift* Da kommen sie auch schon. Unser Vorzeigepinguin Don Juan gleich als erstes Das ist hier Don Juan? Genau. Der frechste. Dann haben wir noch einen ganz ängstlichen, die Königin Luise zum Beispiel, die ist jetzt mit dem Don Juan zusammen also vielleicht wird sie dann irgendwann mal ein bisschen lebendiger Beißen die? Notfalls, wenn Sie mal einen Fisch geben. Bisschen auf die Finger aufpassen, dann geht das Wie halten die das eigentlich aus, ich bin ja da gerade auch rumgeschwommen Wie finden die das mit den Menschen da an der Scheibe? Die finden das super. Die spielen sogar mit den Leuten, wenn sie irgendwelche Bälle haben oder Gegenstände an der Scheibe hin und her bewegen, dann spielen sie richtig damit, und wenn es ihnen doch mal zuviel wird, dann können sie sich ja hier auf der Anlage verteilen und woanders hinstellen Da haben sie auch mal ihre Ruhe vor den Leuten Wie alt werden die denn? Bis zu 30 Jahre können die alt werden Unser ältester ist Balduin, der ist jetzt elf Jahre Ist das jetzt hier eine Familie? Ihr hattet ja auch schon Nachwuchs, ne? Genau, wir haben hier sechs Männchen und sechs erwachsene Weibchen, die sind jeweils Paare, und dieses Jahr hatten wir insgesamt acht Jungtiere, vier sind schon in einen anderen Zoo gegangen, nämlich in den Tierpark Berlin, und die anderen vier wollen wir aber behalten Und sind die treu? Treue Ehepartner? Die bleiben eigentlich ihr Leben lang zusammen Was nicht heißt, dass man auch ab und zu mal fremdgehen kann Das passiert auch bei Pinguinen Wie im richtigen Leben Und das ist immer noch der Don Juan, oder? Es liegt nicht an mir, es liegt nur an den Fischen Wir fahren ab Lübbenau gut 20 Minuten in eine ganz besondere Gegend Der Spreewald ist umgeben von ehemaligen Tagebau-Gebieten, wo Braunkohle abgebaut wurden. Zurück geblieben sind geschundene Landschaften Im Jahr 2000 ist in Wanninchen eine neue Zeit angebrochen Die Heinz-Sielmann-Stiftung kaufte ein ehemaliges Tagebau-Areal, um es der Natur zurück zu geben Bizarr, unwirklich und unheimlich schön. Was aussieht wie tote Wüste, ist in Wirklichkeit ein Lebensraum von höchstem Naturschutzwert Das ansteigende Grundwasser bildet große Wasserflächen Seltene Pflanzen und Tiere haben hier ein neues Zuhause gefunden Im Naturparkzentrum der Heinz-Sielmann Stiftung kann man sich informieren und Führungen für das Areal buchen. In der Dämmerung sollte keiner das Fernglas vergessen Denn dann kommen die Kraniche. Zu tausenden Die eleganten Zugvögel gehören zu den besten Langstreckenfliegern der Welt In den Herbstmonaten kommen sie nach Wanninchen, um sich für die Weiterreise in ihr Winterquartier zu stärken Die Bedingungen hier sind optimal. Es gibt ausreichend Nahrung und die ausgedehnten Wasserflächen sind sichere Schlafplätze Die spektakulären Balztänze und die Eleganz der Kraniche begeistern den Menschen seit der Antike Das ist ein ganz fantastischer Vogel, um den sich sehr viele Mythen ranken,

also, von Vogel des Glücks bis ewige Treue. Das sind einfach charismatische Tiere, die, wenn man sie beobachtet, ganz schnell mitbekommt, dass sie eine sehr weitreichende und unterschiedliche Verhaltensweise haben, die sie an den Tag legen, vom Rumstreiten bis zum Posieren, und auch ganz zärtlich zueinander sind Ganz tolle Beobachtungen kann man da machen. Ist ein faszinierendes Tier Unsere Reise geht weiter nach Lübben –Das liegt genau auf der Grenze zwischen Ober- und Unterspreewald Die meisten Besucher kommen nach Lübben, um einen Blick auf diese Kirche am Marktplatz zu werfen Paul Gerhard, der berühmte Kirchenlieddichter, war hier als Pfarrer tätig Seine Büste steht direkt vor der Kirche Hallo Paul! Hallo! Das ist auch so ein Spreewald-Original, das ist der Gurken-Paule Der macht zum Beispiel Gurken-Seminare, mit Akkordeon und Brimborium, da geht’s richtig ab Wenn man alles über die Gurke wissen will Alles, genau Ja, inzwischen weiß ich: wo die Gurkenmeile ist, ist der Hafen nicht weit So, dann zeige ich dir jetzt mal Lübben vom Wasser aus Schön, das können wir doch! Profis Nach dem Lübbener Schloss kommen wir an die erste Schleuse Das Areal rund um die Lübbener Schlossinsel mitten in der Stadt wurde erst kürzlich ganz neu gestaltet Zwei Schwäne begleiten uns – als hätten wir’s bestellt Hier bei Lübben ist die Spree erstaunlich breit *EliZa singt* Alles Gute, viel Glück und Erfolg weiterhin bei deiner Musik Danke dir Und ihnen danke fürs Zuschauen Das war “Wunderschön” aus dem Spreewald Und wir kuscheln hier noch ein bisschen vor dem Kamin. Mir ist schon ganz warm Und ja, vielleicht bis zum nächsten Mal, oder vielleicht sehen wir uns mal im Spreewald wieder Küsschen für alle! Tschüs! Tschö! Ich hoffe, Ihnen hat unser Video gefallen! Schreiben Sie es uns gerne in die Kommentare Hier sind direkt zwei weitere Videos für Sie, und nicht vergessen: unseren Reisekanal abonnieren und die Glocke aktivieren! Nur so erhalten sie Nachrichten über noch weitere Videos Und weiter geht’s!