Kanadas deutsche Küste: Lunenburg | Länder, Menschen, Abenteuer | NDR

Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2018 Ganz im Osten Kanadas liegt eine Region am Atlantik, in der ausgerechnet Kohl angebaut wird Für Sauerkraut Mittendrin eine Stadt, deren Name vertraut klingt Eine bezaubernde Stadt, deren Bewohner das Erbe ihrer Vorfahren am Leben halten Die erste deutsche Siedlung in Nova Scotia, Kanada: Lunenburg Lunenburg ist die Gründung norddeutscher Einwanderer Dabei sieht es nicht nach Niedersachsen aus Alle Häuser sind aus Holz Heute ist die Stadt so pittoresk, dass sie zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde 1750 wurden im deutschsprachigen Raum Siedler für diese Region angeworben Viele nahm die lange Reise auf sich 1700 von ihnen landeten hier Die Stadt, die sie gründeten, benannten sie in Erinnerung an ihre alte Heimat Die deutschen Auswanderer waren Bauern Hier wurden sie zu Fischern und ohne große Vorkenntnisse zu Meistern des Schiffsbaus Hölzerne Boote und Schiffe aus Lunenburg verkauften sich die Küste rauf und runter Die Stadt wurde reich, bis Stahl und Kunststoff das Holz verdrängten Die Zukunft des Holzbootbaus sah düster aus Doch die Tradition ging nicht ganz verloren In Lunenburg hat sie noch eine Nische Heute erlebt die alte Kunst eine neue Blüte David Westergard ist Bootsbaumeister Er arbeitet nach historischen Methoden, entwirft und baut nur Holzboote Im Moment beschäftigt ihn ein 20 m langer Schoner Der Bau eines Holzbootes ist schon durch das Material was Besonderes Jedes einzelne Teil wird nach der Maserung ausgesucht, nach Haltbarkeit und Stärke David verwendet nur Hölzer aus den kanadischen Wäldern: Weißeiche, Lärche und Fichte Vor allem krummgewachsenes Holz aus den Wurzeln der hier verbreiteten Tamarack-Lärche setzt er gern ein Die natürlich gewachsene Form macht den Rumpf stabil Für die Spanten erhitzt er Eichenholz Aufmachen, zumachen, das muss schnell gehen Das erhitzte Holz zu biegen, verlangt deine ganze Kraft Der Stapellauf des Schoners soll in einem Jahr sein Trotzdem verwendet David nur das beste Holz Die Nootka-Scheinzypresse kommt sogar von der rund 5000 km entfernten kanadischen Pazifikküste Die Planken aus diesem Holz sind sehr lang und haben keine Astlöcher Man muss das Holz respektieren, jedes Stück Das ist wie der Unterschied von Slow Food und Fast Food Holzbootbau ist ein langsamer Prozess Man lässt sich darauf ein und sieht, wie es wächst Stück für Stück Lunenburg ist heute ein beliebter Flecken mit 2300 Einwohnern Die Stadt ist das Herz des Lunenburg County, einem Küstengebiet von 2900 Quadratkilometern Ein paar Kilometer von Davids Werft entfernt liegt die Second Peninsula Auf dieser Halbinsel hat die Familie von Glenn Rhodenizer ihre Farm

Auch Glenn ist ein Nachkomme der ersten deutschen Siedler Auf vier ihrer 80 Hektar baut die Familie Kohl an Sie produziert ein hier beliebtes Gericht Es gilt als so typisch deutsch wie kein anderes: Sauerkraut Das ist mein Leibgericht Mit braunem Zucker gekocht, das ist wirklich gut Glenns erwachsene Kinder ernten, sein Vater fährt den Trecker Früher ernteten wir 40.000 Kohlköpfe Jetzt sind es rund 90.000 – mehr als doppelt so viele Nur die größten Köpfe werden mitgenommen Je größer, desto schneller die Sauerkraut-Erstellung Die äußeren Blätter werden vor Ort entfernt Glenn hat drei Felder mit je 30.000 Kohlköpfen Er baut aber jedes Jahr etwas anderes an So bleibt der Boden gesund Kohl liebt das maritime Klima Trotzdem hängt der Ernteerfolg vom Wetter ab Wenn es gleich am Anfang sehr feucht ist, bilden sich die Wurzeln schlecht aus Es ist besser, wenn es erst später feucht wird Wenn es dann nieselt, wächst der Kohl wirklich gut Man sieht diese riesigen Blätter Wenn die so groß sind, hat man große Köpfe Wenn die großen geerntet sind, kommen die kleineren Rhodenizers haben jede Menge Kohl – und Spaß Er kommt! Fang! Leg sie rein Die kleineren Köpfe gehen direkt in die Geschäfte Viele Kunden machen daraus ihr eigenes Sauerkraut Die Rezepte kamen vor 260 Jahren mit den ersten deutschen Einwanderern nach Nova Scotia Man legte vieles sauer ein oder pökelte es für den Winter Die meisten Siedler hatten ihr eigenes Rezept Vor 30 Jahren bat Glenns Vater einen Sauerkrautmacher im Ruhestand um sein Rezept Viele in der Gegend hielten es für das beste Der alte Herr willigte ein, verlangte aber, dass nun die Rhodenizers das Rezept hüteten Das bleibt geheim! Wie es gemacht wird, was hinein kommt und so Auch die Zubereitungszeit und die Kohlart wirken sich auf den Geschmack aus Es liegt uns am Herzen, dass für uns zu behalten Glenn bringt die Köpfe zur Sauerkraut-Fertigung der Familie Dad hatte an der Straße ein Stück Land gekauft Dort ist jetzt unsere Fabrik: Krispi Kraut Mein Cousin Kevin, mein Dad und ich haben die meisten Aufgaben Das haben wir uns irgendwie angeeignet Glenn und Kevin schneiden den Kohl in Streifen Dazu kommen Salz und Wasser Diese Mischung fermentiert je nach Jahreszeit drei bis sechs Wochen An der Südküste von Nova Scotia wird mehr Kraut verkauft Die Leute probieren eher mal was Neues Seit bekannt wurde, dass Sauerkraut probiotisch ist, ist es noch beliebter Natürlich schätzt nicht jeder hier das für Kanadier ungewohnte Kraut Doch wer es mag, der mag es sehr Wenn früher die Schoner von ihren Fahrten kamen, wurde ihr Fang in solchen kleinen, robusten “Dories” an Land gebracht Heute spielen sie eine andere Rolle – die ist kaum weniger wichtig Danette Eden und ihr Dory sind hier ein Anblick, den jeder kennt Ich rudere gern in Lunenburg Wenn ich in mein Dory springe und in die Bucht fahre, sieht Lunenburg vollkommen anders aus Seit fünf Jahren trainieren sie und ihr Ruderpartner

viermal pro Woche mehrere Stunden Ihr Ziel ist die internationale Dory-Regatta Letztes Jahr gewannen sie ihr Rennen Dieses Jahr verteidigen sie den Titel natürlich Dory-Rudern ist Partnerschaft, perfekte Abstimmung, Freundschaft und harte Arbeit Mein Partner ist der Motor, ich bin das Steuerrad Er sorgt fürs Tempo, ich für die richtige Richtung Ein Dory wiegt 300 kg Nur mit Kraft und Übung fährt so ein Schwergewicht geradeaus Früher waren Dories die Arbeitspferde der Atlantik-Fischer Ihre gelbliche Farbe und den grünen Streifen haben sie, damit man sie auf dem Wasser gut sieht Sie sind fünfmal so lang wie breit Es sind sehr stabile Boote und es macht Spaß, sie zu rudern Im Rennen treten wie immer kanadische und amerikanische Teams an Die jährliche Regatta gibt es seit 1952 Damals stritten sich ein Fischer aus Lunenburg und einer aus Massachusetts welcher Ort die besseren Ruderer habe Fast 70 Jahre später ist die Regatta ein Höhepunkt für die Küstenbewohner und wird sehr ernst genommen Auch Ollie Cote ist mit dem Boot unterwegs Aber nicht mit Rudern, sondern mit einer Harke Er sucht nach Irisch Moos, einem bestimmten Seetang Am besten gelingt die Ernte, wenn es bei Ebbe windstill ist Eine meiner liebsten Stellen ist gleich da vorn Der Knorpeltang wächst in flachem Wasser mit felsigen Boden Und am besten dort, wo ständig Wellen gegen die Küste rollen Man sucht lange nach kleinen, grünen Flecken Sieht aus wie kleine Fichten-Schösslinge Auch diese Stelle sah vielversprechend aus Doch schnell zeigt sich: Es ist nicht das richtige Grün Das sind Algen, die wollen wir nicht Das hier wollen wir, das ist Knorpeltang An einem guten Tag kann Ollie 500 Kilo ernten Das ist ein toller Job, man verdient überraschend gut Man ist sein eigener Boss Du durchkämmst die Küste, das mag ich am liebsten Ich lerne die Küste gut kennen Wie ein Forscher, der die Küstenlinie kartiert Heute hatte er kaum Glück Hoffentlich ist die nächste Stelle besser Diese ganze Seite von Cross Island ist gut Hier ist meist Südwestwind Und das ist die vom Wind abgekehrte Seite Hier bin ich meist vor dem Wind geschützt, selbst wenn es auf der anderen Seite windig ist Hier finde ich meist viel Die Größe der Harke ist vom Gesetz definiert Sie ist aus Edelstahl Zwischen den Zinken müssen mindestens 5 mm sein Wenn der Abstand kleiner ist, reißt man die Wurzeln mit raus Dann wachsen die Pflanzen nicht nach Nächstes Jahr kann man nicht ernten Du brauchst eine gute Harke Das Wetter kann schnell umschlagen Ollie bleibt auf der Hut Du denkst an alles, was schiefgehen kann, musst die Risiken kalkulieren Deshalb fährst du nur an den besten Tagen Und das Boot muss in gutem Zustand sein Aus dem Knorpeltang wird Carrageen gewonnen, ein Verdickungsmittel für Nahrungsmittel und Kosmetika Wenn man es kocht, wird es eine Art Gelatine Vom Tang ist nichts übrig Er sieht dann aus wie Aloe Vera

Er ist flüssig und glitschig, eben wie Gelatine Wenn man damit Geld verdienen will, muss man hart arbeiten Es ist ein langwieriger Job Heute ist das Boot zwar nicht voll, aber der Tag war erfolgreich 250 kg, die er geerntet hat, sind rund 300 Dollar wert Ein guter Tag für mein Boot * Entspannte Gitarrenmusik * In Lunenburg sind die Spuren der Geschichte an jeder Ecke zu sehen Die bunten Holzhäuser haben die Jahrhunderte überdauert, weil ihre Bewohner sie liebevoll pflegen Das Stadtbild ist so einmalig, dass Lunenburg 1995 auf die Liste der Weltkulturerbe-Stätten kam Farley Blackman kam vor zehn Jahren durch Zufall her Er hat sich in die Stadt verliebt und ein Sommerhaus gekauft Das war nur der Anfang: Inzwischen hat er über ein Dutzend historische Gebäude saniert Lunenburg ist ein Ort mit vielen Facetten Das architektonische Erbe, die lange Geschichte, die lebendige Gegenwart Und dann die Natur und die Gastfreundschaft der Kanadier Das ist weltweit einmalig! Durch den Status als Weltkulturerbe gelten bei Renovierungen Regeln Wir dürfen die Straßenfassade nicht verändern Aber im Inneren hat man ziemlich freie Hand Jahrzehnte hatte die Stadt einen kulturellen Mittelpunkt: Ihr Opernhaus Es wurde in Lunenburgs Blütezeit 1907 von Holzschiffbauern errichtet Eine Oper für eine Kleinstadt Bis in die 70er rettete sich das Haus mit Kino- und Musikabenden Dann wurde es still Das Opernhaus stand 40 Jahre leer und verfiel zusehends Zum Glück verliebte sich Farley Blackman in das Unikum Meine Mutter war Ballerina am Broadway, mein Vater Bühnenbildner beim Film Das liegt mir im Blut, ich muss das Opernhaus retten! Seit zehn Jahren arbeitet Farley an diesem Gebäude Er restauriert alle drei Stockwerke, bleibt aber dem Originalentwurf treu * Beschwingte Musik * * Beschwingte Musik * Wir müssen das nächste Woche fertig haben! Ja, dann hätten wir noch Zeit, alles zu testen Das Programm steht schon Trotz zehn Jahren Bauzeit wird es zum Ende hin plötzlich knapp Das Restaurieren historischer Gebäude ist für Farley längst Leidenschaft Er glaubt, dass die alten Bauten hier Zukunft haben, weil sie den Menschen am Herzen liegen Die Leute hier lieben ihr Erbe, die Geschichte, aber auch Natur und Kunst In Lunenburg stimmt das Paket Bei den historischen Gebäuden können wir uns künstlerisch verwirklichen, aber in den Grenzen der Geschichte Ein paar Häuserblocks entfernt wird es auch am Hafen heute spannend Es ist der Tag der Dory-Regatta Wieder treten Mannschaften aus Kanada und den USA an Danette will ihren Titel bei den gemischten Teams verteidigen Ich bin den ganzen Morgen schon total aufgeregt Unter dem Bug des berühmten Schoners “Bluenose II” bereiten sich Danette und Willie auf ihr Rennen vor Wir haben zehn Minuten Zeit, um alles fertig zu machen

Hoffentlich passt alles Die Rennstrecke geht 400 Meter da runter, dann mit vier Schlägen wenden und 400 Meter zurück Hoffentlich in unter sechs Minuten wie letztes Jahr! Ein hartes Rennen! Insgesamt treten diesmal 16 Teams an Die Flut setzt ein, dagegen kämpfen wir Der Wind weht Richtung Kai, auch das macht es anstrengend Aber wenn wir konzentriert bleiben, wird alles gut! Allerdings treten Danette und Willie gegen ein ziemlich gutes Duo an Sie müssen das Rennen gewinnen, oder sie scheiden aus (über Lautsprecher) Hier kommen die internationalen Champions, Willie Wilson und Danette Eden, auf Bahn zwei! on the inside. You’re ready? Sie haben monatelang trainiert Jetzt zählen nur noch die nächsten Minuten * Startschuss * Ihre Gegner schießen über die Startlinie Danette und Willie sind nicht so schnell Durch Willies Größe und Danettes kräftige Schläge sind die zwei ein gutes Team Doch der kleinste Fehler kann sie den Sieg kosten Immer schön gleichzeitig und synchron – das ist die Kunst Pull! Pull! We’re getting further Noch haben sie die Chance, die anderen einzuholen Danette und Willie umrunden die Flagge, fallen aber zurück Sie geben alles, holen das zweite Boot aber nicht ein Im Ziel führt der Gegner deutlich Danette und Willie sind aus dem Wettkampf ausgeschieden Sie haben erst im nächsten Jahr wieder die Chance auf einen Sieg Das war hart Der Seegang hat zugenommen, unsere Ruder sind in den Wellen hängengeblieben Nach der Wende wollten wir auf einer Welle mitreiten, aber die Richtung stimmte nicht Na ja, uns hat eine gute, starke Mannschaft geschlagen Gratulation an das “Bluenose”-Team, ein hervorragendes Rennen! Danette ist enttäuscht, aber nicht entmutigt Der Sieg ist für sie nur ein Bonus Ihr geht es um Kameradschaft und Miteinander Ich hab’s nicht gepackt, aber das macht nichts! Ich liebe das Rudern hier! Du warst toll! Danke! Komm her! Du warst gut! Dann sehen wir uns mal das Rennen an! Im Sommer ist Lunenburg eine der belebtesten Städte Nova Scotias Auch im Herbst kommen noch viele Besucher Wegen des einmaligen Farbenspiels der bunten Blätter und Häuser Im eisigen nordatlantischen Winter lassen die Touristenströme nach Für die Bewohner ist der Winter nur eine Jahreszeit wie alle anderen Dieses Jahr ist es allerdings besonders kalt und schneereich Bei Bootsbauer David bringt das Wetter die Planung durcheinander Er und sein Schoner müssen warten, bis es wärmer wird Das Holz, das wir draußen lagern, ist vom Schnee begraben Alles ist nass und eingefroren * Beschwingte Musik * Für Tristan Kelleys Arbeit ist das Wetter ideal Seine Zugpferde Belle und Jesse kommen auf gefrorenem Boden voran Tristan will Holz fällen Die Arbeit mit Pferden setzt eine uralte Tradition fort Pferde sind sehr wendig Man hat mehr Möglichkeiten, genau die Bäume zu fällen, die man möchte Die Pferde kommen zwischen allen Bäumen durch Tristan ist immer wieder im Wald unterwegs

Er fällt bestimmte Bäume, um den Forst gesund zu erhalten Ich suche nach Schäden und prüfe, ob ein Baum zu nah am anderen wächst und ihn so schwächt Gibt es Äste, die im nächsten Schneesturm brechen, hat ein Stachelschwein dran geknabbert? Solche Bäume fälle ich, damit ein besseres Exemplar wachsen kann Während Tristan Schutzkleidung anzieht, futtern sich Belle und Jesse Kraft an Sie brauchen Energie für den Tag Tja, ich brauch länger als die Pferde! Okay, wir nehmen den Weg! Der Wald um Lunenburg besteht aus einer Mischung von Nadel- und Laubbäumen Das ist in diesen Regionen eher die Ausnahme Wenn ich diesen Baum rausnehme, kommt mehr Licht zum Boden Daneben steht eine große Kiefer Die wird wohl noch lange leben Tristan zersägt den Stamm in drei Meter lange Stücke Die können seine Pferde problemlos ziehen Nur eines der Pferde zieht Diesmal ist Belle an der Reihe Sie ist acht, neun Jahre alt und hat viel im Wald gearbeitet An den meisten Tagen ist sie ausgeglichen Aber sie hat auch ihre Eigenheiten * Ruhige Kommandos * Tristan pflegt den Wald auf besonders umweltfreundliche Weise: Pferde laufen ohne Diesel Belle hinterlässt weniger Schäden an Waldboden und Schösslingen als schwere Forstwirtschafts-Maschinen Wenn man mit einem Pferd arbeitet, entsteht eine besondere Beziehung Das würde mir bei der Arbeit mit Maschinen fehlen Belle war erst nicht so pflegeleicht, aber sie wurde besser Jetzt macht die Arbeit mit ihr Spaß, sie ist eins meiner Lieblingspferde Wenn Belle und Tristan ihren Rhythmus gefunden haben, wirken sie wie Sportler, die seit Jahren gemeinsam antreten Auch hier kennt jeder seine Aufgabe und kann sich auf den Partner verlassen Die Stämme werden am Rand der Forststraße gestapelt Von dort können sie leicht abtransportiert werden Dann geht es zurück zu Jesse Allein von dieser Arbeit könnte ich mich natürlich nicht ernähren Trotzdem will Tristan im Wald seiner Familie weiterhin mit den Pferden arbeiten und die Tradition erhalten Zu dieser Arbeit kommt man nicht als Quereinsteiger Meistens wird man hineingeboren Man kann es später lernen, aber das dauert Schon, weil es mehr um einen Lebensstil als um Fähigkeiten geht Zum Winterende wird es endlich so warm, dass David weiter an seinem Schoner arbeiten kann Bis zum Stapellauf sind es nur noch Monate Trotzdem wird nichts übereilt Viele Arbeitsschritte gelingen nur in Handarbeit “Traditionell” heißt, dass man Materialien und Methoden nutzt, die schon ewig genutzt werden Dadurch wird es anstrengender, ein Boot zu bauen Das führt dazu, dass man sich mehr engagiert und mehr Herz und Seele ins Boot steckt Ich muss das gut markieren, weil ich nur einmal sägen will Ich arbeite gern mit Holz, weil es sauber ist Es duftet, fühlt sich gut an Man weiß, dass man damit fast alles hinbekommt Und am Ende ist alles organisch Damit das Deck wasserdicht wird,

werden die Ritzen mit Baumwolle und einer gummiartigen Paste versiegelt Der Bugspriet entsteht aus einer fünf Meter langen und 125 Kilo schweren heimischen Fichte Er wird zum Bug gehievt und mit Bolzen am Deck verankert Das Steuerrad kommt an seinen Platz Das sind nur noch fünf Grad David will die Kunst des traditionellen Bootsbaus an die nächste Generation weitergeben Das ist mir wichtig Nicht, dass ich ein besonders guter Lehrmeister wäre Aber traditionelle Boote zählen eben für mich Man vermählt das Holz quasi mit den anderen Teilen, dem Metall, den Kupferteilen, die befestigt werden Dann kommt das Finish, es wird geölt Du kannst so viel oder so wenig Finish nehmen, wie du willst Am Ende seiner Zeit wird das Boot zu Erde und Staub und nährt die nächsten Bäume, die wachsen können * Lebhafte Streichmusik * Endlich ist Frühling Der Schnee ist weg, die Luft noch frisch Die Rhodenizers setzen Tausende Kohlpflanzen für den nächsten Sauerkraut-Jahrgang Bei den Rhodenizers ist Landwirtschaft Familiensache Die Farm gehört Glenns Eltern Glenn wohnt nebenan mit seiner Frau und sechs Kindern Glenn hat alles von seinem Vater gelernt Und heute helfen seine Kinder, wann immer sie können Im Moment arbeiten zwei Kinder viel auf der Farm Das ist eine große Hilfe Der Betrieb wächst ständig Wir haben mehr Kühe, mehr Kohl und Sauerkraut, und man wird nicht jünger Da ist es gut, wenn die Kinder das ausgleichen Die Kohlsetzlinge werden im Gewächshaus vorgezogen, bis sie eine bestimmte Größe haben Wir haben verschiedene Arten, wohl ein Dutzend Manche sind 70 Tage alt, andere 110 Tage Die Pflanzen wachsen unterschiedlich schnell So müssen Glenn und seine Familie nicht alles gleichzeitig ernten Bei schönem Wetter werden die Setzlinge aus dem Gewächshaus geholt, um sie abzuhärten Wenn Glenn sie zu früh ins Feld setzt, gehen sie ein Der Kohl muss diesen Punkt erreicht haben Die Pflanze muss fester sein und diese leicht violette Farbe haben Man muss sie rausziehen können Man hat dann den kleinen Wurzelballen und den Stängel Das hier muss möglichst weiß sein Jetzt kann man sie pflanzen, ohne dass es auseinanderfällt Wenn die Zeit kommt, holt man sie raus und setzt sie in die Pflanzmaschine Die dreht sich und pflanzt sie ein * Heitere Klaviermusik * Zehn Jahre wurde das Opernhaus von Lunenburg restauriert Heute findet die große Neueröffnung statt In einer halben Stunde ist Einlass, das ist toll Wir sind fast ausverkauft Die Menschen lieben diese Oper mit echter Leidenschaft Den Eröffnungsabend bestreitet der hier bekannte kanadische Sänger und Komponist Lennie Gallant * Jubel und Applaus *

Ich bin sehr bewegt Nach zehn Jahren und zwei Millionen Dollar! Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, in diesem wunderschönen, restaurierten Theater zu spielen Eine große Ehre, der Erste zu sein! Die letzten Monate waren irrwitzig Jetzt haben wir Musik in der Oper – nach zehn Jahren Arbeit # Mademoiselle, voulez-vous danser? Take my hand, don’t turn away # Auch vor der Küste macht sich der Frühling bemerkbar Wenn es wärmer wird, wandern Wale, Schildkröten, Haie und viele andere in diese nahrungsreichen Gewässer Ein paar Kilometer vor Lunenburg ist dabei ein Tier in Bedrängnis Andrew Reid ist Biologe und gleich zur Stelle, wenn ein Meeresbewohner in Gefahr gerät Wann haben Sie ihn zuletzt gesehen? (Über Telefon) Vor rund 40 Minuten In der Gegend von Kingsbury? Genau Am Strand und dann rechts Andrew befragt die deutschen Touristinnen, die das Tier als Erste entdeckten Anfangs hielten wir das für einen Vogel, weil man nur einen schwarzen Fleck im Wasser sah Dann sah ich die Flossen Andrew erfährt, dass das Tier immer gen Strand schwimmt Das ist kein gutes Zeichen Er kann das Tier identifizieren Sieht aus wie ein Grindwal-Kalb Erkennt man an der hakenförmigen Rückenflosse Andrew zieht seinen Neoprenanzug an Er will ins Wasser, zu dem kleinen Wal Ich muss ihm vom Ufer wegkriegen Ein gestrandetes Wal-Kalb verliert sein Gleichgewicht Sein Körper liegt schief im Wasser, es schwimmt im Kreis und endet dadurch oft am Ufer Andrew hält den Wal aufrecht, damit er sein Gleichwicht zurückerlangt Er kann sein Gleichgewicht nicht halten Ein Grund könnte sein, dass er gestrandet war Wenn ich ihn loslasse, schwimmt er wieder Richtung Ufer Andrew horcht, ob er Rufe anderer Grindwale hört, aber da ist nichts Grindwale sind gesellig und wandern in Gruppen Nur selten sieht man ein erwachsenes Tier allein Ein Kalb ganz alleine – das ist alarmierend Stundenlang tut Andrew alles, damit der Wal sein Gleichgewicht findet Aber der Zustand des Kalbs verbessert sich nicht Wenn Andrew das Tier loslässt, schwimmt es wieder Richtung Ufer Er hat ständig gezuckt Seine Familie war nicht mehr in der Nähe Das Verhalten des Tieres ist ungewöhnlich Vielleicht hat der Wal nicht nur Gleichgewichts-, sondern auch Atemprobleme Nicht nur, dass er zu jung ist, um allein zu überleben: So, wie er sich verhält, hat er wohl auch eine Krankheit Andrew hat versucht, was in seiner Macht steht Der Wal ist zu lange von der Mutter weg Er ist zu schwach, um zu überleben * Ruhige Musik * Ihr Ausscheiden bei der Dory-Regatta hat Danette die Freude am Rudern nicht genommen Sie trainiert noch immer – wenn sie nicht gerade Taschen aus Recycling-Material näht Ich habe seit meiner Jugend Hüte aus recyceltem Material gemacht Dann fing ich mit Taschen an Das Material sind alte Segel, Vinyl, Nylon, Leder

Alles, was ich kriege, wird bei mir zur Tasche Sie näht im Winter die Taschen, die sie im Sommer verkauft Ab dem Frühling braucht sie ja Zeit für ihre andere Leidenschaft: Rudern im Dory Sobald es wärmer wird, ist sie auf dem Wasser Lunenburg-Lifestyle Es wäre toll, bei jedem Rennen zu gewinnen Aber eigentlich geht es vor allem um das Training und die Zeit vor der Regatta: Im Hafen zu sein und mit Willie zu rudern Er ist großartig, und wir haben viel Spaß Ich liebe das Rudern und meine Näherei Ich liebe diese Stadt Ich liebe das Leben! * Ruhig-verspielte Musik * David geht es in seiner Werft am Hafen nicht darum, Lunenburgs goldene Ära der Segelschifffahrt zu romantisieren: Er hält ihre Tradition hier am Leben Nach 5000 Arbeitsstunden ist sein Schoner bereit für den Stapellauf Ein gutes Boot hat Herz und Seele, schon durch die Arbeit, die man hinein steckt Der Stapellauf kann nur bei Flut stattfinden Die Zeit drängt David prüft, ob der Schlitten passt Wenn der Schoner nicht perfekt aufrecht steht, könnte er beim Stapellauf kippen Das ist nicht die einzige Gefahr, wenn man einen 22-Tonnen-Schoner über eine hölzerne Bahn ins Wasser lässt Es gibt keinen zweiten Versuch Alle Augen sind auf einen gerichtet Wenn ich was falsch berechnet habe und es geht was schief, schauen sie alle zu mir, stimmt’s? Ein Stapellauf ist ein feierlicher Anlass Viele Bewohner der Stadt sind da Der Schoner wird “Mahayana” getauft, “Großes Fahrzeug” Der Schlitten wird an einem Boot mit kräftigem Motor vertäut Er muss so weit rausgezogen werden, bis der Schoner schwimmt Der Schoner ist im Wasser! Dafür haben wir gearbeitet! Er sinkt nicht und hat kein Leck Er ist auf dem Wasser in seinem Element, in seinem natürlichen Umfeld Er fühlt sich dort wie zu Hause Die Menschen, die am Kai versammelt sind, kennen dieses Gefühl Sie fühlen sich in Lunenburg zu Hause Einer Stadt mit reicher Vergangenheit, in der Tradition nicht nur weiterlebt, sondern Zukunft bedeutet Copyright Untertitel: NDR 2018