Ring frei! Abenteuer A10 (3/4)

Für Lkw-Fahrerin Monika Kazor beginnt der Tag um fünf Guten Morgen So fängt mein Tag immer an Aufstehen, fertig machen, Schulbrote für die Kids schmieren Meine Kinder Paul und Pia sind neun und zehn Jahre alt Der Stolz in meinem Leben Früh sind sie immer alleine, aber das kriegen sie super hin Die Mutter nicht, die kriegt die Brotbüchse nicht richtig zu Sie verschlafen früh nicht Wenn ich kurz nach sechs hier anrufe, geht Pia immer ans Telefon Sie ist da super und hat einen eingebauten Wecker Monika Kazor arbeitet im Schichtbetrieb für eine Spedition, die frisches Brot an Lebensmitteldiscounter liefert Der beladene 40-Tonner wartet bereits auf seine Fahrerin Das ist mein Georgie Alle lachen, weil ich ihm einen Männernamen gegeben habe * Musik * * Telefon-Tuten * (Mädchen) Ja? Guten Morgen, Püppi! Guten Morgen Na, seid ihr fein aufgestanden? Ich bin jetzt erst wach geworden Hat dein Wecker nicht geklingelt? M-hm Gut, dass ich anrufe Dann jetzt husch, husch! Das Schönste am Arbeitstag ist, wenn die Nacht aufhört und der Horizont Stück für Stück heller wird Und nachher der Sonnenaufgang Das finde ich richtig schön Im A10-Motel plant Hotelier Christoph Redanz sein morgendliches Gipfeltreffen mit der Seniorchefin Mein Christoph, hallo! Guten Morgen, liebe Omi. Wie geht’s? Gut, sehr gut Das ist schön Ich würde gern zum Kaffeetrinken rüberkommen Kein Problem, bis gleich Bis gleich, meine Liebe Bis später, Mädels Tschüss! Grüß schön Christoph Redanz stammt aus einer Hoteliersfamilie Seine Eltern und Großeltern haben in Hoppegarten eine Pension Bis zum Abschluss seiner Ausbildung zum Hotelkaufmann führte Oma Cäcilie das A10-Motel Reisefieber in Panketal bei Bernau Auf dem Betriebshof des Busunternehmers Karsten Brust sammeln sich reiselustige Senioren Sie haben einen viertägigen Ausflug in den Bayerischen Wald gebucht Morgen! Ungebremste Vorfreude bei den Stammkunden auf die Reise mit Karsten Brust und der versprochenen Reiselust Küsschen für die zurückbleibende Ehefrau, die sich um das Tagesgeschäft in Panketal kümmert Wir fahren in den Bayerischen Wald und machen nach 1,5 Stunden Kaffeepause am Rasthof Fläming Der ist gleich im Anschluss an die südliche A10 Seit 1992 sitzt Karsten Brust als Juniorchef hinter dem Lenkrad im Reisebus Sein Vater gründete das Busunternehmen in den 70ern Wir umrunden erst mal unsere große Hauptstadt Berlin und unsere Landeshauptstadt Potsdam über die A10 Erst nördlicher Berliner Ring bis zum Dreieck Havelland Anfang und Ende jeder Busreise ist die Dauerbaustelle Berliner Ring Jeder Baufortschritt wird mit Wohlwollen registriert

Das ist gigantisch, gerade auf dem nördlichen Berliner Ring Wenn man hier Monat für Monat entlangfährt, sieht man die Veränderungen Wenn wieder ein neues Stückchen freigegeben wird, kommt die Entschädigung Umsorgt vom Bordpersonal geht es für die 40 Senioren entspannt in den Süden In Neuruppin rüstet sich Sabine Meyer-Sow kurz nach sieben für einen langen Arbeitstag auf dem Berliner Ring Das ist mein Plan Es geht mit der 176 auf der A10 los Hier haben wir die Parkplätze Alle auf der A10, Dreieck Werder Wenn der Brandenburger mal muss, ist die Firma Meyer zur Stelle Seit 1993 “Geschissen wird überall!”, hat Papa schon gesagt Unser Name ist Programm Das muss man ja nicht verstecken Jeder hat das Problem, also muss es irgendwie gemacht werden Deswegen: “Pipi Meyer” Den Wartungsvertrag für die sanitäre Grundversorgung am Berliner Ring schreibt die Autobahnmeisterei alle zwei Jahre aus Zum dritten Mal in Folge ging der Auftrag nach Neuruppin Da ich 80er Baujahr bin, habe ich noch die 7,5 Ich kann bis zu 7,5 Tonnen oder bis 12 Tonnen mit Anhänger fahren Größere Lkws kann ich leider nicht fahren Schade, aber kommt noch Alle zwei Tage werden die stillen Örtchen auf Vordermann gebracht Montag, Mittwoch und Freitag sind fest vorgegeben Ab 6 Uhr reinigen wir die Toilettenkabinen vor Ort Die sog. “Pipi Box”, mit ihrem Leergewicht von ca. 90 Kilogramm, geht heute etwas widerwillig auf Reisen Dann ist es so weit: An Bord ein 2.300-Liter-Abwassertank, ein 1.200-Liter-Frischwassertank und ein Ersatzklo Sabine Meyer-Sow fährt Richtung Berliner Ring Mein Papa hat die Firma 25 Jahre geführt Ich bin quasi damit aufgewachsen Wir haben schon in der Schulzeit mit angepackt Ich war zwölf, als mein Papa die Firma gründete Wir haben Flyer gemalt und Zettel verteilt Auf diesem Auto habe ich quasi meine Ausbildung zum Toilettenreinigen gemacht Das war immer ein Ferienjob Ich fuhr mit den Mitarbeitern mit und verdiente etwas Taschengeld Deswegen ist mir das Saubermachen der Toiletten nicht unbekannt Hotelier Christoph Redanz fährt zu seinen Großeltern in Hoppegarten Im A10-Motel kümmert sich derweil Beate Kautz um die Fragen der Gäste Ja? Beate, du hast angerufen Was ist passiert? Der Mann aus der 318 würde gern noch eine Nacht bleiben Aber jetzt ist er weg Er ruft dich an Kein Problem. Sehr gerne, darf er Okay. Bis dann Alles klar. Ciao Na, gar nichts passiert Opi! Guten Morgen Guten Morgen, mein Bester Weißt du, was? Ich muss mit dem Auto raus. Kein Problem Meine Omi! Mein Christoph! Morgen! Du siehst schick aus Wie immer

Na, alles im Griff gehabt? Ja, und gewartet Ich habe dir Stullen geschmiert Ja Ich habe morgens wenig Hunger, aber eine esse ich Wir freuen uns, wenn die Enkel kommen Und wenn nur für ein paar Minuten Bisschen was essen, trinken und erzählen Komm, wir gucken im Garten, was ich noch erledigen muss Aber die andere Hälfte muss noch Ich mache mich nachher ans Werk Hoffen wir auf bessere Kartoffeln dieses Jahr Meine Omi ist für mich der wichtigste Mensch Sie ist meine beste Freundin, meine treue Seele Ein Mensch, mit dem ich mich jeden Tag gern unterhalte, lache und auch weine Und essen! Ach, das Essen natürlich Ich esse gern etwas von ihr Um es in einen Satz zu fassen: Sie ist der beste Mensch des Lebens Nach seiner Ausbildung übernahm Christoph Redanz das A10-Motel von seiner Oma Cäcilie Als ich es führte, kamen die Gäste schon immer und ewig Wie heute noch: Viele kommen, die schon von Anfang an kamen Sie fühlen sich einfach wohl Ich habe es wie eine Oma gemacht, er macht es wie ein Kumpel Wir haben schon oft gesagt, er soll eine Frau kennenlernen, die zu ihm passt Aber er hat immer abends zu tun, wenn andere freihaben, auch Sonnabend und Sonntag Zu tun, zu tun, zu tun Ich muss los und noch was tun Das ist auch nötig Heute ist schönes Wetter Hab dich lieb. Ich dich auch Tschüss, Omi Der westliche Berliner Ring ist heute Sabine Meyer-Sows Revier Sie verhilft den mobilen Toilettenkabinen auf den Rastplätzen mit viel Wasser zu neuer Frische Der Wassertank reicht immer für die Tour, die wir aufstellen Wir müssen die Toilette mit Wasser befüllen, und das reicht definitiv aus Ich trage diesen Mundschutz, wenn ich die Toilettenkabinen ausspritze Es ist nicht gegen den Geruch, sondern weil viel Wasser rumfliegt Ich möchte mich schützen, weil ich Familie und zwei kleine Kinder habe Ich will mich vor Krankheitserregern und dergleichen schützen Sabine Meyer-Sow ist im Auftrag der Autobahnmeisterei unterwegs Wenn die Tour beendet ist, faxen wir die Zeiten als Leistungsnachweis rüber In zwei Tagen werden die Toilettenkabinen am Ring wieder auf ihre Einsatzbereitschaft hin überprüft Der Flugplatz in Strausberg Sandra Fritsch geht an den Start Hallo, Gudrun. Hier ist Sandra Was haben wir denn? Dann fliege ich 158, B2 und dann durch die Stadt rein Alles klar, bis gleich Tschüss! Nach dem Telefonat mit der Redaktion im Funkhaus ein letzter Check der Cessna vor dem Take-off Bevor ich starte, gucke ich den Flieger rundum an Zuerst gucke ich, dass das Öl ausreicht und ob die Ruder freigängig sind Höhenruder, Seitenruder und Querruder

sind die Steuerelemente des Fliegers Gut Sandra Fritsch startet im Auftrag von Antenne Brandenburg Die Radiohörer wollen wissen, wie es auf den Straßen aussieht Rushhour auf dem Ring ist immer Was genau los ist, will sie jetzt aus der Luft erkunden Sandra Fritsch ist Verkehrsfliegerin Sie fliegt auf Sicht, doch verliert nicht den Überblick Ich orientiere mich in der Luft nach Karten Diese ist sowohl Straßenkarte als auch Luftfahrerkarte mit eingezeichneten Autobahnen Nach so vielen Jahren weiß man, wie das Dreieck Havelland oder das Kreuz Schönefeld aussieht Von da kann ich mich gut in der direkten Umgebung orientieren Seit zehn Jahren umkreist sie für ihren Radiosender den Berliner Ring, um die Hörer mit aktuellen Verkehrsinfos zu versorgen (Radio) Antenne Brandenburg, Verkehrsservice Behinderungen gibt es zwischen Kreuz Oranienburg und Dreieck Havelland Verkehrsfliegerin Sandra Fritsch ist jetzt über dem Bereich Was ist zu sehen, Sandra? Wir haben einen Unfall hinter der Autobahnauffahrt Oberkrämer Zwei Lkw sind aufgefahren Die Feuerwehr blockiert die rechte Spur, sodass im Baustellenbereich nur die linke Spur frei ist Sie müssen fast eine Stunde einplanen, um diese Unfallstelle in Richtung Havelland zu passieren Uff, das dauert länger Danke schön, Sandra Schichtbeginn für Polizeihauptmeister Stritschke und Polizeihauptkommissar Werner auf dem südlichen Berliner Ring Im zivilen Videowagen sind sie die größten Feinde der Autobahnraser Um Temposünder zu ertappen, führen sie “Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren” durch und filmen jede Geschwindigkeitsüberschreitung Der Transporter kommt schnell an Reicht nicht, reicht nicht Er hat sich von hinten zügiger genähert als der restliche Verkehr Kam er rangeprescht? Nein Nein, nur schneller Er kam zügiger, aber hat es doch nicht übertrieben Die Geschwindigkeit war nicht ausreichend hoch, dass für unsere Auswertung etwas Adäquates rumkommt Es ist nichts Handfestes, keine Ordnungswidrigkeit im schwereren Bereich Nehmen wir ihn? Ja. Ja Wir halten jetzt den Opel an * Sirene * Er blinkt Manche verhalten sich zögerlich Aber das ist völlig in Ordnung Wir haben es in Europa auch mit Banden zu tun, die sich als Polizei ausgeben, um auf der Straße Geld zu machen Werner von der Verkehrspolizei Ich bräuchte Ihren Führerschein und den Fahrzeugschein Zu schnell gefahren? Ja, Geschwindigkeitsüberwachung Scheiße. Warten Sie mal Und den Führerschein Habe ich zu spät gesehen Ich bin keiner, der dann sagt: “Was soll das?” Da sind wir eins So bin ich auch Ist eben passiert, da muss man durch. Ja, ist so Wir sind jetzt in einem Bereich, wo Sie mit 44 bis 48 km/h Überschreitung aufgezeichnet wurden Mit Glück rutschen Sie knapp am Fahrverbot und an der reinen 41 km/h Überschreitung vorbei Erst da würden Sie regulär ein Fahrverbot bekommen Noch vor Ort wird die Anzeige ausgestellt Wie hieß dieser Parkplatz?

Uckleysee, Lankensee Der Temposünder ist geständig und möchte den Videobeweis gar nicht sehen Ein wichtiger Punkt ist das sofortige Gespräch: in flagranti erwischen und sofort darauf ansprechen In dem Moment kann man gut mit den Menschen reden und diese Situation aufwerten Mehr Nachhaltigkeit kann ich durch polizeiliche Arbeit nicht bewirken Trotzdem gute Weiterfahrt! Tschüss Mit gedrosseltem Tempo nimmt der ertappte Bürger auf dem östlichen Berliner Ring wieder Fahrt auf In der Gegenrichtung: Erstes Etappenziel für Reisebusfahrer Karsten Brust und die “Reiselust” Der Berliner Ring liegt hinter uns Das sind immerhin 100 Kilometer mit zahlreichen Baustellen, die wir super passiert haben Ziel ist der Bayerische Wald Die Sonne scheint, die Gäste sind zufrieden Es kann nicht besser sein In vier Tagen sind die reiselustigen Senioren am Dreieck Potsdam wieder zurück auf dem Berliner Ring Mit ihrem 40-Tonner voller Brot fährt Monika Kazor ins südliche Brandenburg Bis vor drei Jahren arbeitete sie im Einzelhandel Gelernt habe ich im Handel Dort habe ich auch lange gearbeitet, teilweise in einer Führungsposition Es machte mir Spaß, ein Team zu führen und die Leute zu leiten Aber man ändert sich im Laufe des Lebens Irgendwann ging mir das Gezicke und Geschimpfe so auf den Puffer, dass ich sagte: “Nein, ich möchte hier raus und was anderes machen.” Da mein Ex-Mann auch Kraftfahrer war, dachte ich: “Du bist so oft mitgefahren, das ist was Tolles Du machst einfach einen Lkw-Führerschein!” Monika Kazor ist derzeit alleinerziehend Sie versucht, Beruf und Kindererziehung zu vereinen Wenigstens auf dem Truck ist sie nun ihr eigener Chef und hat sich damit einen Traum erfüllt Das soll auch jeder sehen: Sie trägt Lkw Georgie auch auf dem Unterarm Ich sagte zu meinem Papa, ich will mir einen Lkw tätowieren lassen Er sagte: “Kind, du hast doch eine Macke!” Aber irgendwann sagte er: “Klar, auf solche Ideen kannst nur du kommen.” Nach 300 Kilometer hat Monika ihr heutiges Ziel erreicht Ausladen und dann wieder 300 Kilometer zurück Ist heute Tag der liegen gebliebenen Lkws? Er steht genau in der Mitte, ist ja schnuckelig Wahnsinn Am östlichen Berliner Ring, Ausfahrt Berlin-Hellersdorf, an der Rezeption des A10-Motels Die Unterkunft ist beliebt bei Monteuren aus der gesamten Republik (Frau) Hallo. Guten Tag, hier ist Christoph Redanz vom A10-Hotel Hallo! Ich habe vier Anrufversuche von Ihnen drauf Genau. Einer unserer Fahrer kommt nächste Woche nach Berlin In welchem Zeitraum? Von Montag bis Donnerstag, wie immer Okay, super. Ist notiert Vielen Dank. Auf bald, tschüss! (Mann) Ist noch was frei? Kriegen wir hin. Was wird benötigt? Sechs Betten, also drei Doppelzimmer Wunderbar, ist notiert Ich freue mich. Tschüss! Erst mal ist alles im Kopf fest verankert Und es gibt eine Buchungsliste, die wochenweise geführt wird Alles, was über den Computer läuft, wird automatisch aus dem Internet übertragen und eingetragen

Aber das meiste läuft hier ab 30 Zimmer, 68 Betten, drei Angestellte Zimmermädchen Beate Kautz verschlug es durch Zufall in das A10-Motel Ich verlor meine Arbeit, ging zum Arbeitsamt und sagte, ich möchte gleich weiterarbeiten Sie sagten dann, wo ich mich vorstellen kann Ich fahre von zu Hause nur zwölf Minuten mit dem Auto, das ist toll Ich kam rein, und es passte gleich mit Chris Ich hatte ein gutes Gefühl und sagte: “Hier fange ich an.” Bis zu meinem Rentenalter, was noch sieben Jahre dauert, könnte ich mir vorstellen, hierzubleiben Man will nicht mehr wechseln, weil man schon älter ist Kurz vor dem Schönefelder Kreuz, schneller Imbiss auf der Überholspur So sieht die Mittagspause aus Man macht das so nebenbei Das ist ein Nomadenleben Wir sind viel unterwegs und machen alles unterwegs Seit Jahren im Radarwagen gemeinsam unterwegs, kennen Polizeihauptmeister Carsten Stritschke und Polizeihauptkommissar Michael Werner ihre Kundschaft genau Es sind deutlich mehr Männer als Frauen, die zu schnell fahren Vielleicht auch mit Wurzeln im Neandertalertum. (lacht) Im Visier: Herren der Schöpfung, häufig im schwarzen Audi Jetzt macht er sich unglücklich Nein, er wird nicht erfreut sein Das war zu doll * Sirene * Fahr vor, fahr vor Der Parkplatz kommt gleich Ah, schaffen wir nicht mehr Gut, fahr rüber Der Verkehrssünder wird auf den nächsten Parkplatz gelotst und gibt sich uneinsichtig Werner, Verkehrspolizei Sie wissen, was wir wollen Bei der Höhe der Buße, die Sie erwartet, reden wir definitiv von Fahrverbot Holen Sie sich Rechtsbeistand Manche sind unbelehrbar, fahren immer zu schnell Er wird weiterhin zu schnell fahren, bis das Punktekonto ausgeschöpft ist Das ist schon frustrierend Nicht immer läuft alles so glatt wie heute bei der Arbeit im Videowagen Hier habe ich so ein Highlight, wo wir einem BMW X3 nachfuhren Das Auto war gestohlen gemeldet Hier unterschätzte er die Kurve auf die Autobahn und es scherte ihn aus Als wir ihn überholen wollten Das passiert selten, aber man muss mit allem rechnen Er rammte uns seitlich Wir drehten uns und damit war unsere Nachfahrt beendet Das war sehr frustrierend, aber fünf Kilometer weiter hielten ihn die Kollegen an So sah unser Heck aus, nachdem wir die Leitplanke berührt hatten Gott sei Dank passierte dem Fahrer und mir nichts, außer einem mächtigen Schock Daraus lernt man, dass man in manchen Situationen lieber dahinter bleibt und das Fahrzeug anders zum Stehen bekommt Gunnar Herzlieb macht kurz Pause von der A10 und versucht, seine Tiefkühlware, mit der er seit vier Uhr morgens unterwegs ist, bei seiner Kundschaft im Umland loszuwerden Wir warten, bis er weggefahren ist Dann fahre ich an die Rampe und lade die zwei Paletten ab Angemeldet bin ich Wir stehen jetzt in Warteposition

(Mann) Gut! Da ist der Widerstand Jetzt bin ich an der Rampe Laden und Entladen: eine Abwechslung zum Alltag hinter dem Steuer Das Schwierigste? Das Fahren ist das Aufregendste Das hier ist körperlich sehr schwer, aber wir können es gebrauchen Unterschrift und Stempel haben wir Leergut getauscht. Wunderbar! So, es geht weiter Zurück auf die Piste Es geht zum nächsten Kunden, der auf seine Tiefkühlware wartet Wenn man zur Warenannahme kommt “Um diese Uhrzeit ist es ganz schlecht!” Oder: “Das dauert jetzt einen Moment Ich muss erst mal was anderes erledigen.” Mit solchen Sprüchen kommt man überhaupt nicht klar Das will ich gar nicht hören Und dann: “Wie sieht denn die Ware aus?” Ich transportiere nur von A nach B und wenn nötig wieder nach A Ich rege mich nicht mehr auf und mache gleich kehrt Hier habe ich ein Bett und was zu essen dabei Nach einer halben Stunde melde ich mich bei meinem Chef und sage, dass ich immer noch warte Er entscheidet, ob ich weiterfahre oder warte “Ist nur ein Fahrer, der hat Zeit.” Wie gesagt, so richtig willkommen Die Arbeit wird nicht anerkannt Tiefenentspannt ist Monika Kazor zur gleichen Zeit auf dem Heimweg Die Fahrer machen sich selbst Stress, indem sie anfangen, zu schimpfen oder zu wettern Nein * Funk-Durchsage * Stress macht man sich selbst, nicht die Straße * Tuten * (Mann) Hallo, Moni. Hi! Ist auf dem südlichen Ring frei oder ist da Stau? Der südliche Berliner Ring hat schon wieder satten Stau, sodass du am Dreieck Potsdam auf den westlichen Ring abbiegst, ja? Der sieht wesentlich besser aus Dann kommst du pünktlich heim Okay, mache ich Gut, dann viel Spaß! Danke, tschüss Ahrensfelde bei Berlin: Hier hat die Spedition Pruschke ihren Sitz Disponent Daniel Lippert hat die Lage auf dem Berliner Ring im Blick Detlef, Abfahrt Richtung Heimat Es ist schon Wochenende in Sicht Für eine normale Woche brauchen wir ca. 20 bis 24 Sattelzug-Maschinen im internationalen Fernverkehr Für den Regionalverkehr sind es 16 bis 17 Sattelzüge, also 55 Fahrer auf zwei Disponenten verteilt Einer beliefert den regionalen, der andere den internationalen Kunden Monika Kazor hat für heute ihren regionalen Kunden beliefert und tauscht nach 600 Kilometern den 40-Tonner gegen ihren Kleinwagen Richtung Strausberg, nach Hause Erst mal staufrei (Radio) Verkehrsservice Hier ist durch die Bauarbeiten pro Richtung nur eine Spur frei Es sind über drei Kilometer Stau Sie verlieren 20, 25 Minuten In der Gegenrichtung ist es besser, max. fünf Minuten mehr einplanen! Ich bin lieber hier oben, wenn unten Stau ist Ich fahre viel Auto und stand schon in ähnlichen Staus Die Perspektive von oben ist deutlich angenehmer Ich berichte lieber darüber, als selbst drin zu stehen Stau ist manchmal sehr zäh und ich fühle mit jedem Autofahrer mit,

der im Berufsverkehr im Stau steht Sandra Fritsch landet zum Feierabend auf dem harten Boden der Realität des Berliner Straßenverkehrs Ein Unfall mit einer Stunde Stau Das lohnt sich mehr, als wenn man nur den typischen morgendlichen Berufsverkehr hat Nach dem Fliegen tanke ich die Maschine voll Je nachdem, wie viel Sprit ich gebraucht habe Dann stelle ich sie wieder in die Halle Am nächsten Morgen hebt Sandra Fritsch wieder in Strausberg ab So, Feierabend Ist gut, Betty Seit Kurzem lebt Monika Kazor getrennt Beruf und Familie sind plötzlich zwei Vollzeitjobs auf einmal Klar ist es schwer, wenn man für alles alleine die Verantwortung trägt und alles alleine wuppen muss Da wünscht man sich manchmal jemanden, der einen unterstützt Andererseits sind wir zurzeit alle drei so glücklich Ich genieße auch gerade ein bisschen meine Freiheit Vielleicht irgendwann, wenn der Richtige um die Ecke kommt Einen Mann hat Monika Kazor noch auf der Reservebank Ein ganz toller Großvater Egal, was ist: Wenn wir ihn brauchen, ist er immer da “Opa, kannst die Kinder abholen? Opa, fahr mal Paul zum Training.” Im Winter ist es ja schon dunkel Er macht und tut Man muss nur was sagen und Opa kommt angehoppelt Wenn man zeitig Feierabend hat und sie abholen kann, ist das schön Dann hat man noch den Nachmittag miteinander Ich bin so froh, dass ich die beiden habe Ich würde mir die Flügel für die beiden ausreißen Mama! Guten Morgen, mein Schatz Na, mein Schatz? Na? Alles schick? Ja Du siehst aus! Ja Die Brandenburgerin Sabine Meyer-Sow kehrte nach der Schulzeit Neuruppin und dem väterlichen Betrieb erst mal den Rücken Ich machte mich mit Fotografie und Grafikdesign selbstständig Letztes Jahr wurde mein Papa leider sehr krank und wollte sich gern zur Ruhe setzen Für uns war eigentlich klar: Es bleibt ein Familienunternehmen Gemeinsam mit ihrer Schwester organisiert sie seit einem Jahr Vertrieb, Aufstellung und Wartung der mobilen Toilettenhäuschen auf Stadtfesten, Großkonzerten, Baustellen und an der Autobahn * Musik * Na? (lacht) Ich hoffe, zufrieden? War gut? Gut Man hat kaum Zeit Acht Minuten ist für die meisten schon viel zu lange Wenn ich zwei Toiletten in acht Minuten mache, halten sie es schon kaum aus Das ist immer schwierig Es gibt Positives und Negatives Unsere Kraftfahrer haben in der Regel größere Probleme Sie werden teilweise beschimpft und jemand wurde attackiert Das ist wirklich nicht mehr schön Die Leute denken, wir fahren Scheiße und behandeln uns auch so Nächste Station auf der Servicetour heute:

der Autobahnparkplatz an der Havelbrücke in Phöben Das Sorgenkind im Toiletten-Universum Wir haben an diesem Parkplatz das Problem, dass dort vermutlich häufig Spanner sind Sie zerschneiden uns die Toilettenkabinen Ich bin gespannt, wie es da aussieht Das ist wirklich schlimm Östlicher Berliner Ring, Niederlehme 60 km/h im Baustellenbereich und Radarwagen der Verkehrspolizei: keine glückliche Konstellation Ich muss mich vor ihn setzen und ihn über drei Spuren herunterbitten Schon gute 60 drüber Guten Morgen, Werner von der Verkehrspolizei Führerschein und Fahrzeugschein, bitte Auf der Autobahn zwischen Königs Wusterhausen und Niederlehme Ja? Da ist 60 die Höchstgeschwindigkeit Ich habe da nicht Warten Sie mal Wir haben Sie videografiert Ihr tut eure Pflicht Danke dafür Wollen wir uns das Video mal angucken? Ja Kommen Sie mal zu mir Wir haben leider nur Stehplätze Darf ich hier sitzen? Ja Sie können noch etwas rutschen Grob ausgedrückt: Mit 65 sind wir schon drüber Puh, da droht Ihnen schon das Fahrverbot Das passiert Wir sind alle nur Menschen Ich habe mich nicht beobachtet Das war mein Fehler Wir begleiten so lange, bis wir das Gefühl haben, wir können den Verkehrsteilnehmer wieder entlassen Wir nehmen uns gern die Zeit für dieses Stückchen Seelsorge: das Aufzeigen von Wegen, um mit dieser Strafe würdevoll umzugehen und das zu kompensieren Es gehört zu unserem Job, die Leute nicht im Regen stehen zu lassen Die Besatzung des mobilen Radarwagens auf dem Berliner Ring macht mit gutem Gefühl Feierabend Ich habe Spaß an meiner Arbeit Das ist das Größte, was man sich selbst organisieren kann In der nächsten Runde auf dem Berliner Ring Generalprobe bei der Freiwilligen Feuerwehr Und eine böse Überraschung Die zerschneiden unsere Kabinen, um rüber zu schauen Das ist ja schon Schweizer Käse Und: Unterwegs mit dem Abschlepper (Mann) Der Wagen ist hinüber! Untertitel: rbb 2019 Kerstin Ettlich