Sarah Philipp MdL: Interview zu Corona mit dem Stadtdirektor der Stadt Duisburg, Martin Murrack

Herzlich Willkommen, lieber Martin Murrack Schön, dass wir heute dieses Skype-Interview machen können Es soll natürlich um Corona gehen Es soll um die Frage gehen, was die letzten Wochen so angestanden hat, was die Aussicht ist für die nächsten Wochen Es stehen ja jetzt auch einige Entscheidungen an Wir wollen natürlich von Dir gerne wissen als Stadtdirektor, und vor allen Dingen auch als Kämmerer, der für Duisburg auf das Geld aufpasst und dafür zuständig ist, was Deine Sicht der Dinge ist, wie ist die Lage für Duisburg, und was erwartest Du auch von uns als Landespolitik für Themen in der nächsten Zeit, die auf Landesebene noch dringend geklärt werden müssen Ich freue mich, dass wir das heute machen können Ganz herzlichen Dank, dass Du Zeit hast Ich glaub, Du hast gerade auch viele andere Dinge um die Ohren Deswegen wollen wir Dich auch nicht allzu lange von der Arbeit abhalten Vielleicht kannst Du mal starten mit einer Einstiegsfrage: Wenn wir vor vier Wochen über Corona gesprochen hätten, hättest Du Dir denken können, dass wir jetzt gerade hier bei einer Videoschalte sitzen, das Leben weitestgehend stillsteht? Wie siehst Du die Phase, in der wir uns gerade befinden? Vielen Dank, dass wir hier die Möglichkeit haben, hier miteinander zu sprechen Natürlich finde ich es gut, sich darüber mal auszutauschen, was wir in Duisburg so alles machen und wo uns auch der Schuh drückt Ich habe das Gefühl, dass wir hier in Duisburg – wenn ich wir sage, meine ich insbesondere unseren Krisenstab, das Gesundheitsamt, die Kommunikationsabteilung – wirklich jetzt seit Wochen einen ziemlich guten Job machen Wenn ich mitbekomme, was insbesondere unsere Feuerwehr und das Gesundheitsamt geleistet haben, dann ist das erstaunlich und echt bewundernswert Ich glaube, das ist in Duisburg verhältnismäßig ruhig – in Anführungstrichen Das heißt, dass wir keine exponentiellen Steigerungsraten haben, liegt auch daran, dass wir sehr besonnen vorgegangen sind, dass wir früh entschieden haben Ich kann mich daran erinnern, als Heinsberg das erste Mal in der Presse war, habe ich direkt an dem Morgen mit Sören Link gesprochen und gesagt: “Pass mal auf Das könnte auch zu uns kommen Wie reagieren wir? Müssen wir auch Vorkehrungen treffen?” Wir haben eigentlich, seitdem Heinsberg in der Presse war, mehr und weniger den Stadtvorstand im Krisenmodus gehabt und haben uns eng abgestimmt und überlegt, wie die nächsten Schritte aussehen sollen Wenn ich jetzt mitbekomme, mit was für eine Kreativität unsere Feuerwehr und unser Gesundheitsamt vorgeht, welche Vorschläge kommen, wie wir es schaffen, Corona-Patienten von anderen abzukoppeln, dass wir eine der ersten Städten waren, die mobile Corona-Teams losgeschickt haben, um die Leute vor Ort zu testen, damit sie nicht mit einem Corona-Verdacht in eine Arztpraxis oder in ein Krankenhaus kommen müssen, wo sie dann gegebenenfalls andere Leute anstecken Sondern dass wir zu denen fahren, die Probe dort entnehmen, solange unter Quarantäne stellen und ihnen dann möglichst schnell das Ergebnis mitteilen Ich bin sehr stolz auf unsere Feuerwehr, dass das geklappt hat Was unser Gesundheitsamt schafft, dass die wirklich auch bis heute noch die Kontaktpersonen identifizieren, mit denen sprechen, denen verdeutlichen, dass es sinnvoll ist, für zwei Wochen in Quarantäne zu bleiben, dass wir es eben schaffen, die Zahl der Infizierten hier so gering zu halten, das ist eine Wahnsinnsaufgabe, die sieht man gar nicht so, wenn man sich im Moment die sehr ruhige Stadt bei uns anschaut Und ich weiß gar nicht, ob das viele wissen, aber wir bauen auch ein Behelfskrankenhaus auf Wir gucken, dass wir die Kapazitäten in den Krankenhäusern entlasten, indem wir jetzt zusätzliche Kapazitäten aufbauen Nicht für Corona-Patienten, aber für einfache Patienten, die dann aus den Krankenhäusern raus kommen können, damit die Krankenhäuser Kapazitäten für die Corona-Fälle haben Also im Moment dank des super Engagements unserer Kolleginnen und Kollegen haben wir die Lage in Duisburg unter Kontrolle Es ist eine komische Situation, wenn man hier durch die Stadt geht: Man hat wirklich das Gefühl, es ist wie ausgestorben Aber so sollte es auch sein Weil: Die Krise ist noch nicht beendet Wir haben immer noch ein hohes Ansteckungsrisiko Aber ich habe das Gefühl, dass der Großteil der Bevölkerung den Ernst der Lage verstanden hat Das Lob kann ich zurückgeben Das sage ich jetzt nicht als Landtagsabgeordnete, sondern als Duisburger Bürgerin Dass man das Gefühl hat, da laufen viele Dinge sehr gut zusammen und auch von Anfang an Das hat, glaube ich, vielen Bürgerinnen und Bürgern in Duisburg auch ein gutes Gefühl gegeben Dass sie Ansprechpartner haben, dass die Lage im Griff ist, und das hat ja auch immer was mit Beruhigung zu tun Was ja auch gerade in so einer Phase sehr sehr wichtig ist

Von daher auch ein ganz großes Dankeschön an den Krisenstab und allen, die daran beteiligt sind, dass das so gut funktioniert hat Du hast angesprochen die ausgestorbene Stadt, das sehr heruntergefahrene Stadtleben Wir haben ja jetzt diese Kontaktsperre, auch über die Osterfeiertage Das Wetter war sehr schön Was auf der einen Seite es leichter macht, wenn man mal eben an die frische Luft kann Aber sorgt dafür, dass der Reiz groß ist, was draußen zu machen sich zu treffen, zu grillen, was auch immer Wie ist auch Deine Wahrnehmung auch über die Osterfeiertage? Ist das gut angenommen worden? Oder gibt es da noch Verbesserungsbedarf? Nehmen die Leute diese Kontaktsperre gut an? Ich glaube, dass der Großteil der Duisburgerinnen und Duisburger sich wirklich an die Kontaktsperre halten Wenn unser Ordnungsdienst unterwegs ist und die eine oder andere Gruppe vorfindet, und er auch dementsprechend dagegen vorgehen muss, dann ist das ein Ausnahmefall Was wir mitbekommen, ist, dass der Großteil akzeptiert, dass es sinnvoll ist, in seinen eigenen vier Wänden zu bleiben, mit seiner Familie unterwegs zu sein, aber eben nicht darüber hinaus, dass man jetzt auf das Grillen verzichtet, dass man zu Ostern nicht die Großeltern oder die Enkelkinder besucht hat Und das ist auch wirklich sehr vernünftig Ich glaube, dass wir da auch kommunikativ – da schließe ich jetzt die Bundes- und Landesebene mit ein – die Brisanz der Situation gut kommuniziert haben Natürlich hat man in einer Stadt mit 500.000 Einwohnern auch mal mit dem einen oder anderen zu tun, der das nicht so verstanden hat oder noch mal daran erinnert werden muss, was wir hier jetzt für Regeln haben Deswegen ist das Ordnungsamt bei uns auch unterwegs und fordert auch Leute auf, sich an die Regeln zu halten Aber der Großteil der Duisburgerinnen und Duisburger halten sich wirklich an die Regeln Das finde ich klasse Ich bin sehr froh, dass wir nur eine Kontaktsperre ausgesprochen haben und keinen Hausarrest oder Ausgehverbot Ich mache gerne Sport, Du machst auch gerne Sport Wenn man Kinder hat, die wollen raus vor die Tür Wenn das nicht möglich gewesen wäre, wäre das bei dem Wetter noch schlimmer gewesen Es gibt ja andere Länder, wo dann vor einer solchen Ausgangssperre dann auch Hamsterkäufe en masse losgegangen sind Ich glaube, das hat in Deutschland verhältnismäßig gut funktioniert und hier in Duisburg auch Von den ein oder zwei, die von den Regeln noch nichts gehört haben, darf man sich jetzt nicht abschrecken lassen Die werden wir auch weiterhin daran erinnern, dass es diese Regeln gibt Und wir werden darauf bestehen, dass diese Regeln auch eingehalten werden Aber der Großteil der Duisburgerinnen und Duisburger halten sich wirklich an die Regeln Wir haben sowohl im Bundestag als auch im Landtag Sitzungen gehabt, haben Beschlüsse gefasst, was auch Soforthilfen und Rettungspaketen angeht Habt Ihr da auch ein Überblick? Stichwort: Rettungsschirm für Unternehmen, für Beschäftigte, dieses 25-Milliarden-Programm, was über das Wirtschaftsministerium hier auf Landesebene ausgespielt wird, was beantragt werden kann Habt Ihr da irgendwie Feedback bekommen, dass das angekommen ist? Mein Eindruck war, dass es schnell auf den Weg gebracht worden ist, und im Wahlkreis habe ich mitbekommen, dass viele das in Anspruch nehmen müssen Was erst mal schlecht ist, aber auch gut, dass es dieses Angebot gibt Habt Ihr da einen Überblick darüber, ob das gut geklappt hat? Weil das für uns noch einmal wichtig ist Wir haben ziemlich schnell eine Telefonschalte mit der Handwerkskammer, der IHK, dem Unternehmerverband und der Dehoga für Duisburg gemacht, um auch zu fragen: Wo drückt der Schuh? Wo sind die Probleme am größten? Die Corona-Krise ist auch eine Wirtschaftskrise! Wenn man mitkriegt, was das für unsere Unternehmer vor Ort bedeutet, dann ist das schon katastrophal Dagegen war die Bankenkrise 2008/09 für die lokale Wirtschaft nicht ganz so gravierend Deswegen war es uns wichtig, möglichst schnell denen auch das Signal zu geben, dass wir als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, dass wir alles, was wir als Stadt machen können, machen So haben wir von Anfang an eingeräumt, dass die Gewerbesteuerzahlungen gestundet werden können, dass kommunale Abgaben, die zu entrichten sind, gestundet werden dürfen, im Übrigen auch zinsfrei Das war ein Entgegenkommen, was auch sehr honoriert wurde Als dann das 25-Milliarden-Paket in der Diskussion war, haben wir auch gesagt: Das ist als Signal genau das richtige!

Weil gerade die Kleinunternehmer haben wirklich das Problem, in dem Moment, wo die Pizzeria geschlossen ist, wo der kleine Malerbetrieb keine Aufträge mehr hat, hat der in erster Linie Liquiditätsprobleme Das heißt: Dem hilft nicht, wenn er jetzt einen Kredit bekommt, den er dann gebenenfalls nicht zurückbezahlen kann, sondern er braucht Liquidität, um seine Mieten zu bezahlen Und eine Pizzeria, die jetzt einen Monat lang nicht geöffnet hat, verkauft ja im nächsten Monat, wenn er wieder öffnen darf, nicht doppelt so viel Insofern war die Idee der Liquidität-zur-Verfügung-Stellung wirklich sehr gut Ich bin ganz ehrlich: Ich war sehr skeptisch, als ich gehört habe, dass die Abwicklung des Programms über die Bezirksregierungen stattfinden soll Aber ich war beeindruckt, wie unbürokatisch und schnell dieses Verfahren dann funktioniert hat Ich habe mit vielen Unternehmern gesprochen, die gesagt haben: “Mensch. Am Anfang waren die Server zwar überlastet, das ist nichts Überraschendes an einer solchen Situation, wenn zehntausende auf einen Server zugreifen, aber ich konnte den Antrag einreichen, ich habe direkt eine E-Mail-Bestätigung bekommen und innerhalb der nächsten Woche ist schon der Bescheid und das Geld gekommen Dass es jetzt kriminelle Trittbrettfahrer gibt, die das ganze ad absurdum führen, finde ich extrem unanständig und unschön Ich hoffe, dass das einigermaßen schnell in den Griff bekommen wird Aber der erste Ansatz, dass schnell den Unternehmen geholfen wird, der war super und der hat auch hervorragend funktioniert Dann hoffen wir, dass das schnell wieder in den Griff bekommen wird, dass das wieder ganz normal beantragt werden kann Das ist schon wichtig Dann hoffen wir mal, dass da vielen davon für die Übergangsphase Hilfe verschaffen kann Jetzt haben wir über Rettungspakete gesprochen für Wirtschaft, um Beschäftigte zu sichern und kleinere Unternehmen kurzfristig zu helfen Bei Rettungspaket kommt da für den Kämmerer die Situation der Kommunen ins Spiel Wir haben hier auch schon an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, dass aus Sicht der SPD-Fraktion auch für die Kommunen ein Rettungsschirm gespannt werden muss, weil alles das, was Du schilderst, da gibt es jetzt viel zu tun, am Ende landet das immer dann bei den Kommunen Also wir können auf Bundesebene Entscheidungen treffen, wir können auf Landesebene Entscheidungen treffen, diese Soforthilfen freischaufeln aus dem Landeshaushalt Am Ende muss die Kommune trotzdem deutlich mehr leisten als sie normalerweise tun müsste Du hast das Thema “Gewerbesteuerausfall” auch angesprochen Das ganze Thema “Rettungsschirm für Kommunen” ist ein großes Thema Wir haben hier den Eindruck, das ist bei der Kommunalministerin irgendwie angekommen, aber nicht mit der Geschwindigkeit, die wir uns vielleicht gewünscht hätten Wir wissen, dass da was kommt Vielleicht kannst Du noch mal skizzieren, was jetzt dringend notwendig ist, wie das Land den Kommunen schnell und zielführend unter die Arme greifen muss Das Wichtigste ist die Erkenntnis, dass die Kommune in der Krise funktioniert egal was auf den anderen Ebenen passiert Die Krisenstäbe sind hochgefahren worden Gesundheitsamt, Feuerwehr, das hat funktioniert Wir haben die Lage vor Ort im Griff Das sind auch Situationen, wo der Haushaltsgesetzgeber vorgesehen hat, dass die Aufwendungen, die in dem Zusammenhang stattfinden müssen, auch stattfinden dürfen Das heißt: In dem Moment, wo der Krisenstab sagt: Sie brauchen Mittel, um Hotels anzumieten, wo Obdachlose untergebracht werden, um ein Behelfskrankenhaus zu errichten, da haben wir die Möglichkeit, genau diese Mittel zur Verfügung zu stellen Die sind logischerweise nicht im Haushalt vorgesehen, weil Anfang des letzten Jahren bzw. Ende des vorletzten Jahres hat noch keiner damit gerechnet, dass wir so etwas wie eine Corona-Pandemie weltweit kriegen können Deswegen sind die Mittel, die jetzt da im Moment verausgabt werden, überplanmäßig Das heißt, die sind nicht geplant gewesen, das sind Mehrausgaben, die wir in diesem Jahr haben werden Das wird für eine Stadt wie Duisburg, ich denke mal, ein kleinerer zweistelliger Millionenbetrag werden, die wir zusätzlich zur Verfügung stellen müssen Mehr Sorgen macht mir das Thema “Steuereinnahmen”, weil das, was die Wirtschaft derzeit mitmacht, ist so gravierend, dass das nicht nur Steuereinbrüche in diesem Jahr mit sich bringen wird, sondern das wird sich in die nächsten Jahre hineinziehen Und die Gewerbesteuer ist für die Kommunen eine wichtige Einnahmequelle, die da ist Wir werden in diesem Jahr mit ziemlichen Einbrüchen zu rechnen haben, aber dadurch, dass die Verluste auch vorgetragen werden können,

werden wir diese Problematik auch in den nächsten Jahren haben Wir werden nicht nur über ein Einbruch in 2020, sondern sehr wahrscheinlich auch ein Problem 2021 und 2022 Ich habe das Gefühl, dass das Heimatministerium auch verstanden hat Ich habe auch häufig an Telkos mit den Kollegen im Ministerium teilgenommen Ich glaube, dass die Richtung, die die eingeschlagen haben, auch die richtige ist Dass in dem 25-Milliarden-Rettungspaket von Anfang an die Kommunen nicht dabei waren, fand ich ein bisschen schade Da sollte es ja jetzt mittlerweile eine Öffnung geben Aber eine echte Unterstützung, das heißt, eine klare Zusage, dass die coronabedingten Mindereinnahmen und Mehrausgaben, die wir haben, klar vom Land übernommen werden, die gibt es noch nicht Wir tun alles dafür, dass diese Krise möglichst glimpflich an uns vorbeigeht Aber die klare Aussage, dass das Land uns hier unterstützt bei der Krisenbewältigung und uns eben auch finanziell unter die Arme greift, die gibt es nicht Es gibt ein Angebot des Landes, dass wir die Kosten im Haushalt separieren können und ab 2025 dann auf 50 Jahre verteilt in den Haushalten erwirtschaften müssen Das bedeutet aber, dass die Duisburgerinnen und die Duisburger die nächsten 50 Jahren die Kosten der Pandemie zu zahlen haben Da muss ich sagen: Ich glaube, dass es nicht alleine kommunale Aufgabe sein kann, mit diesen Mindereinnahmen und Mehrausgaben umzugehen Da braucht es schon etwas mehr Unterstützung vom Bund und Land Aber da hoffe ich, dass es da auch ein wenig Bewegung geben wird Das hoffen wir auch. Wir bleiben da auf jeden Fall dran Wir haben jetzt fernab von Corona immer noch das Thema “Altschuldenfonds” und “Schuldenerlass” ja auch auf der Tagesordnung Wo wir jetzt Bedenken haben, dass das im Themensetting so ein bisschen untergeht Das eine hat ja auch mit dem anderen sehr viel zu tun Von daher wird das Thema “Kommunalfinanzen” auf jeden Fall ganz oben bleiben Aktueller Bezug Corona und dann eben auch mit der ganzen Thematik der Altschulden, die für Duisburg auch ein wichtiges Thema sind Ich hoffe, dass in den nächsten Wochen bei der Regierung etwas in Bewegung kommt Ansonsten werden wir als Opposition alle Hebel in Bewegung setzen, dass wir das Thema nach oben setzen Du bist auch für Digitalisierung zuständig Das ist ja jetzt eigentlich gerade die Hochzeit von Digitalisierung Man kann sich ja jetzt mal so ausprobieren in Corona-Zeiten Also, dass wir hier jetzt beide uns über die Videoschalte unterhalten, ist das eine Wir haben jetzt auch gesehen, dass gerade beim Thema “Schulunterricht” das ganze noch einmal eine andere Bedeutung bekommen hat Und auch viele Dinge, die jetzt kontaktlos und ohne persönliche Runden, laufen können Dass da Digitalisierung eine wichtige Rolle spielt Aber es sind auch einige Lücken leider offenbar geworden Wie schätzt Du das ein? Können wir daraus auch was lernen für Nach-Corona? Hast Du da Hoffnung, dass das eine oder andere jetzt vielleicht selbstverständlich wird? Oder dass es für uns das eine oder andere Thema gibt. Da hat sich gezeigt, da gibt es noch Lücken. Da müssen wir nach Corona ran Ich bin froh, dass sich Duisburg vor zweieinhalb Jahren auf den Weg gemacht hat, eine Dienstvereinbarung zum Thema “mobiles Arbeiten” mit dem Personalrat zu verhandeln Das war der Grundstein dafür, dass wir heute in der Lage sind, bei mir im Bereich sind es fast 70% von zu Hause aus in Vollzeit arbeiten lassen können Wir haben deutlich über 1000 Zugriffe auf unsere Server von zu Hause aus Ich bin froh, dass es technisch funktioniert Und der Krankenstand in den Bereichen, die von zu Hause aus arbeiten dürfen, ist extrem viel niedriger als bei denen, die jetzt noch ins Büro kommen müssen Die müssen nicht im ÖPNV unterwegs sein, die haben keine Fahrzeiten mehr, die sind in ihrem Umfeld zu Hause Diese Idee der Isolierung funktioniert dort auch Mich freut natürlich insbesondere, dass dann auch die Krankenzahlen dort entsprechend zurückgehen Also dass das Ganze technisch möglich ist, ist klasse Ich glaube, der eine oder andere Vorgesetzte, den haben wir jetzt durch die Krise einen kleinen Stoß gegeben, dass er sich auch mal drauf einlässt Dass die Mitarbeiter, die zu Hause sind, auch wirklich zu Hause arbeiten und dort nicht faulenzen, sondern dass man auch von zu Hause aus produktiv arbeiten kann Also das könnte ein positiver Nebeneffekt der ganzen Digitalisierungsdebatte sein, dass der eine oder andere einfach mal ausprobieren musste, wie das mit den neuen Medien ist und ob man nicht auch wirklich gut von zu Hause aus arbeiten kann Unsere Systeme sind stabil Das ist der ersten Massen-Test, den wir jetzt gemacht haben Wir hatten natürlich vorher auch Kolleginnen und Kollegen, die von zu Hause aus mobil gearbeitet haben

Aber dass so viele auf einmal auf die Systeme zugreifen, hatten wir noch nicht Und ich bin sehr froh, dass es klappt Wir werden das jetzt sukzessive weiter ausbauen Ich glaube, dass wenn wir in einigen Bereichen, zum Beispiel Straßenverkehrsamt, die Online-Terminvergabe schon eingeführt hätten, wäre es auch einfacher gewesen, da wieder zur Normalität zurückzukommen Dass das gut funktioniert, haben wir in den Bürger-Service-Stationen gesehen Daran können wir noch arbeiten. Das ist nur eine kleine Herausforderung für uns Und auch im Bereich Schule gibt es einige Länder, die in distance learning besser aufgestellt sind als wir Ich kriege mit, dass wir viele sehr kreative Lehrerinnen und Lehrer haben, die auch über E-Mail, über Skype und sonstige Plattformen ihren Unterricht stattfinden lassen können, die auch Sprechstunden anbieten über Videokonferenzen etc Aber da gibt es noch keine übergreifende Plattform, über die das möglich ist Auch das ist eine Sache, die beim Land liegt, wo man durchaus an der einen oder anderen Stelle nacharbeiten könnte Da lohnt es sich auch, bei dem einen oder anderen Nachbarland zu schauen, was digital möglich ist Da haben wir noch ein bisschen Luft nach oben Dann könnte so eine Phase auch noch ein bisschen besser überstanden werden Ohne Digitalisierung wäre nicht nur dieser Video-Chat mit Dir nicht möglich, sondern auch viele andere Bereiche deutlich schwieriger Ich krieg es auch mit, dass Großeltern mit ihren Enkelkindern über Videotelefonie Kontakt halten Das heißt, man ist sich durch die Digitalisierung trotz Distanz viel näher, als es vor ein paar Jahren noch der Fall war Ich glaube, das ist eine positive Erfahrung, die jetzt viele machen Und das wird auch in Nach-Corona-Zeiten die eine oder andere Dienstreise unnötig machen, weil man eben weiß, man kann sich auch so wirklich vernünftig und sinnvoll austauschen, ohne einen halben Tag im Flieger sitzen zu müssen Bei aller Krise und bei allen schlimmen Sachen, die wir zu beraten haben, ist auch meine Hoffnung, dass wir nach Corona bei den ganzen Punkten, die Du aufgezählt hast, eine ganze Menge übernehmen Und das dann hoffentlich auch so in den Alltag überführen können Ich glaub, das wäre eine ganz gute Sache Eine letzte Frage – und dann würde ich Dich auch wieder in die Arbeit für heute entlassen In den nächsten Tagen stehen auch spannende Entscheidungen an: Wie geht es mit dem Krisenmanagement und den ganzen Maßnahmen weiter? Wenn Du Erwartungen in Richtung Landespolitik äußern könntest, was wäre aus Sicht der Stadt Duisburg wichtig für die nächsten Tage zu wissen Wo muss Gewissheit her? Was erwartest Du von der Landespolitik in den nächsten Tagen? Der spannendste Bereich ist, wie geht es nach dem Shutdown mit den Kindergärten und Schulen weiter Ich glaube, es ist einfach zu sagen, wir starten die Schulen kaskadenförmig wieder, dass dahinter eine ganze Menge Logistik dahinter hängt Wann fahren die Busse? Wie fahren die Busse? Wann müssen die Busse wo sein? Wie ist das mit dem Essen organisiert? Da kann man nicht am Samstagabend entscheiden, wie Montagmorgen die Schule losgehen soll Sondern da brauchen die Kommunen, die Nahverkehrsunternehmen etwas Zeit, sich darauf vorzubereiten Deswegen wäre da eine schnelle Maßgabe, was eben den Schulbeginn und den Kindergartenbeginn angeht, wirklich sinnvoll Und dann als Kämmerer ist meine klare Erwartung, dass das Land und der Bund uns mit den Kosten und den Mindereinnahmen nicht alleine lässt, sondern es auch hier bald eine klare Zusage gibt, dass wir die coronabedingten Kosten ersetzt bekommen Das kann man auch über mehrere Jahre strecken Ich glaube, da erwartet keiner, dass wir innerhalb von einem Jahr jetzt sämtliche Mindereinnahmen gedeckt bekommen Aber dass es hier eine Zusage gibt, dass das Land uns hier nicht im Regen stehen lässt, das wäre sehr sinnvoll Und wenn darüber hinaus die Diskussion über die Altschuldenregelung nicht ganz abebben würde, dann würde mich das sehr freuen, weil in Summe bedeutet das viel mehr Handlungsfähigkeit für die Kommunen Dass wir handlungsfähig sind, haben wir in der Krise bewiesen Dass wir handlungsfähig bleiben wollen, das ist mein Wunsch Und das sollte hoffentlich dann auch auf der Landesebene ankommen Wunderbar. Das nehmen wir gerne mit Und wir sind auch sehr gespannt, was die nächsten Tage entschieden wird Lieber Martin, ganz herzlichen Dank für das Gespräch Danke, dass Du Dir Zeit genommen hast Ich wünsche Dir für die nächsten Tage und Wochen ein glückliches Händchen für die Stadt Duisburg und Deinen Mitarbeitern und Dir viel Erfolg und Durchhaltevermögen für das, was da jetzt noch kommt

Wir sehen uns entweder per Video oder hoffentlich bald wieder ganz live und real im wirklichen Leben Herzlichen Dank für die Zeit und alles Gute! Herzlichen Dank. Bis demnächst!