Reise ins Land der Vorfahren | Indien, Polen, Armenien | Meine fremde Heimat (2/7) | Doku | SRF DOK

Sairah sucht in ihrem Heimatland Indien ihre leibliche Familie Trotz vielen Rückschlägen hat sie noch nicht aufgegeben Der Stand meiner Suche Also, ähm bei Null Die Hoffnung stirbt zuletzt Ja Barbara Crole musste im Zweiten Weltkrieg als junges Mädchen flüchten Nach 75 Jahren reist sie zum ersten Mal wieder zurück nach Polen, in ihren Geburtsort Kolberg Irgendwie hat man immer noch etwas Sehnsucht nach dem Ort, wo man geboren wurde und die Kindheit verbracht hat Jetzt komme ich und es ist fremd Auch Ando musste als Kind flüchten Damals hat er sein Heimatland Armenien das letzte Mal gesehen Jetzt reist er gemeinsam mit seiner Freundin Giada zurück Ein schönes Gefühl Ich komme noch nicht ganz klar Wahnsinnig Nach 23 Jahren bin ich wieder zurück Das ist eine Reise zurück zu den Wurzeln Die Reise in “Meine fremde Heimat” MIT TELETEXT-UNTERTITELUNG * Sanfte Klänge * Von Norddeutschland machen sie sich auf den Weg zu Barbaras Geburtsort Diese Strecke fuhr Barbara vor 75 Jahren schon einmal Einfach in die andere Richtung Damals hatte sie keine Ahnung, wo es hingeht Es war kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges Als Fünfjährige musste sie mit ihrer Familie Hals über Kopf flüchten * Ruhige Klänge * Damals konnte man nicht rausschauen, da waren wir im Viehwagen Das ist schon ein Unterschied Und es hat ziemlich gestunken Und Ich habe von der Strecke an sich nichts gesehen Und die Da hat einfach alles geschrien und versucht zu sitzen und nicht zu stehen Die Babys haben in die Hose gemacht Es war absolutes Chaos Wir waren eine relativ grosse Gruppe Die Sorge war immer, zusammenzubleiben Keinen zu verlieren Wer gibt wem die Hand, wer zerrt wen mit? Was auch war: Hört man die Flak? Hört man Flieger, hört man Bomben? Warum bleibt er jetzt wieder stehen? Es war Chaos und Überleben Ich bin ein grosser Meister im Verdrängen Markus nickt Äh Das war auch deine Rettung – Ja, ja Dass du es von dir schieben kannst – Ja Es hat nicht existiert Zwischenstopp in Swinemünde Der Ort gehörte vor dem Krieg noch zu Deutschland Später wurde die Stadt an der Ostsee polnisch Von hier aus sind es rund 100 km bis nach Kolberg, wo Barbara geboren wurde Auf der Flucht kamen sie damals auch in Swinemünde vorbei Deshalb machen Barbara und ihr Mann hier heute Pause Gehen wir hier oder hier lang? Hier? Alle Leute laufen hier entlang * Sanfte Klänge * Tarifauskunft. Siehst du, dort ist es polnisch angeschrieben Hier auch schon Bitte? Es ist deutsch und polnisch angeschrieben. – Ach so, ja * Sanfte Klänge * Schau mal, Krolewskie Was heisst das? Ah, Crole * Beide lachen. * * Unverständliche Kinderstimmen * Ah, die reden ja polnisch – Ja, klar Es hat sich schon sehr verändert Was heisst denn das? Dieses “poczta”? “Poczta” … Post! Aha, ja, logisch

* Perlende Klänge * Sairah wurde als Dreijährige von Schweizern adoptiert und möchte in Kalkutta endlich ihre leibliche Familie finden Bis jetzt ohne Erfolg Sairah und ihre Freundin Natalia haben noch eine Hoffnung: Sie gehen mit der Dolmetscherin zu Michelle Harrison, einer Therapeutin, die mit Waisen und Adoptionsfällen arbeitet Would you like some? Yes, come You’re welcome – Thank you * Sairah räuspert sich. * Auf dem Bild sehe ich nicht verhungert aus Ich trug auch gute Kleidung Ich habe mir Gedanken gemacht, weshalb ich so gekleidet war, als ich ins Heim kam Wer hat mich so gekleidet? Wieso bin ich plötzlich im Heim? Was vorher passiert ist, weiss ich eben nicht Das ist für mich ein Rätsel, das ich zu lösen versuche Sie hat mir noch mal ganz deutlich gesagt, dass ich mit der Suche nach den Dokumenten hier in Indien nicht mehr weiterkommen werde * Bedrohliche Klänge * Michelles Worte sind für Sairah eine grosse Enttäuschung Sie glaubte fest daran, auf dieser Reise ihre Wurzeln zu finden Aber die Adoptionsunterlagen scheinen verschollen zu sein Ohne die wird es sehr schwierig, jemanden zu finden * Dumpfe Klänge * Es gibt für nichts eine Garantie Auch wenn ich versuche, die Papiere auf dem offiziellen Weg zu finden, besteht die Chance nicht, meine wahre Mutter zu finden Ja Das hat mich im ersten Moment sehr mitgenommen Und worauf ist es für dich nun beschränkt oder nicht? Es ist der spirituelle Weg, der mir jetzt durch den Kopf geht Jetzt geht es mir nahe ans Herz Ja, ich kann mir das vorstellen Ich mache mir auch Gedanken Mich bewegt dieser Ruf, den du vom Bruder spürst, immer Auch von der Mutter, was du mir vorher erzählt hast Dass sie auch suchen und Sehnsucht haben Wenn man dann auf dem amtlichen Weg nicht mehr vorwärtskommt Dann suchst du wieder Die beiden Frauen wollen für ein paar Tage raus aus der Stadt, um den Kopf zu lüften und sich zu überlegen, wie es weitergeht * Ruhige Klänge * Die letzte Etappe in die fremde Heimat Polen reisen Barbara und Markus auf dem Schiff 1945 flüchtete Barbara mit ihrer Familie übers Wasser Ihr Geburtsort Kolberg wurde von russischen und polnischen Truppen umzingelt und beschossen Die Flucht war nur übers Wasser möglich Heute lebt Barbara mit ihrem Mann in Lausanne

Seit 75 Jahren war sie nicht mehr hier Das wäre jetzt unser Ein bisschen kämmen für den Kapitän Jawohl Sonst denkt er: “Wie sehen denn die Schweizer aus?” Merci! Danke Hallo – Hallo Grüss Gott – Das ist Markus Barbara Ich bin Konrad, herzlich willkommen – Konrad Heute ist das Meer ruhig, und die zwei haben das Schiff fast für sich alleine Kaum auf dem Wasser, sind die Erinnerungen an die Flucht wieder da Barbara war damals fünf Das war eine Art grosser Kutter Wir standen alle an der Reling und haben – Entschuldigung – gekotzt Dann gingen wir nach unten, und dann hat man uns wieder rausgejagt Meine Erinnerungen sind eher bruchstückhaft Das war alles so chaotisch, diese Menschenmassen In der Todesangst vergessen Menschen ihren Anstand Also mein erster Gedanke ist: Hoffentlich muss ich auf dem Schiff nicht brechen Wenn ich das überwunden habe, denke ich: Haltung zeigen, wie man bei mir sagte Äh also mir ist schon komisch Die Fahrt auf dem Fischerboot dauert ein paar Stunden Genug Zeit, damit sich Barbara und Markus auf das Ziel ihrer Reise einstimmen können * Entspannte Klänge * So, machen wir den letzten Schritt noch Ja Wollen wir hier beim Tau? Ich dachte, hier kann man sich an den Okay, wie du willst Ja, am Geländer auch Die beiden sind seit 40 Jahren verheiratet In all der Zeit hat es Barbara nie geschafft, Markus ihre Vergangenheit zu zeigen Die Flucht aus der Heimat hat sie bis heute nicht verarbeitet * Ruhige Klänge * Ich habe sie jetzt absichtlich alleine gelassen Es wird sehr schwierig für sie Das ist das erste Mal seit 1945, dass sie wieder hierherkommt * Klappern * Das ist ein anderes Land, andere Leute, eine andere Sprache, seit sie hier war Eigentlich ist es ihre Heimat, sie wurde hier geboren Aber wahrscheinlich ist es jetzt fremd für sie Aber das sehen wir dann, wie sie reagiert * Der Schiffsmotor brummt. * Kalkutta ist die drittgrösste Stadt Indiens Nach ein paar Tagen im Lärm und der Hektik brauchen Sairah und Natalia eine Pause Das haben wir gesehen, als wir vom Flughafen kamen Das ist ein neuer Stil Die Verbindung dort ist noch spannend. – Sehr Es hat kleine Fenster drin Es tut mir gut, aus der Stadt zu kommen Meinen Kopf durchlüften Und auch mal wieder zur Ruhe zu kommen Damit ich wieder klare Gedanken fassen kann Sie fahren in die Sundarbans, die grössten Mangrovenwälder der Welt Wie komme ich auf das Boot? So, genau Ja, super Natalia und Sairah kennen sich von der Arbeit im Pflegeheim Eine besondere Freundschaft, die auf dieser Reise noch enger wurde * Indische Flötenklänge *

Ich empfinde es als sehr bereichernd Ihre Geschichte hat mich schon immer berührt Und berührt mich noch immer Die Vorstellung, dass man vielleicht doch noch – vielleicht auch eher zufällig – jemanden aus ihrer Verwandtschaft findet, das begleitet mich und ist in meinen Gedanken Wir haben schon einiges gesehen, das uns eben so weit geführt hat * Indische Flötenklänge * Was ist auf dieser Suche noch möglich? Diese Frage stellt sich Sairah immer wieder Wir haben sehr viel versucht, auch im Voraus schon viele Ämter angefragt Und nirgends komme ich weiter Ja, das tut weh Aber die Hoffnung stirbt zuletzt Einen letzten Versuch möchte Sairah noch wagen, sobald sie wieder in Kalkutta ist * Sanfte Sitarklänge * Zurück auf der Ostsee Am Horizont taucht die Stadt Kolberg auf * Anschwellende Musik * Links Als Barbara ihre Stadt zum letzten Mal gesehen hat, stand sie als Fünfjährige auf einem Flüchtlingsboot * Sanfte Klänge * Das ist die ich nenne es jetzt mal Speicherstadt, das stand schon Aber ansonsten erinnere ich mich natürlich nicht an viel Die 80-Jährige verliess damals eine deutsche Stadt und kommt heute in eine polnische zurück und kommt heute in eine polnische zurück Kommen Sie bitte – Sollen … Ah! – Ja Danke – Bitte Danke! Mein Wissen und meine Erinnerungen an die Stadt sind recht begrenzt Ich frage mich, ob ich das Haus wiedererkenne Und das kann ich nicht sagen Und Womit ich Mühe habe wo ich und mich frage, wie ich reagiere, ist, wenn sie polnisch reden und ich Deutsch im Ohr habe Das muss ich sehen, das kann ich noch nicht abschätzen Nimm bitte den Rucksack mit Wenn du zu mir sagst: “Kommst du?”, dann komme ich sofort Was macht das mit dir, wenn du mit mir hier bist? Das war vor meiner Zeit Du, das ist sehr schwierig Ich bin als dein Herzallerliebster da Aber du hast selbst Gefühle Ja, für mich ist alles fremd Ich bin das erste Mal Das hier ist mir auch etwas fremd, aber Ich bin jetzt gespannt, wo du gewohnt hast Das interessiert mich Ja, was mich interessiert, ist, wie weit die Vorstellungskraft, nein, die Wirklichkeit der Vorstellungskraft standhält Was habe ich mir eingebildet und was entspricht der Realität? Ist das ein mieses, kleines Haus? Oder ist es das Haus, das ich in Erinnerung habe? Dann komme ich mit

Es bleibt mir ja nichts anderes übrig Ich danke dir * Möwen kreischen. * Zurück in Kalkutta Sairah nimmt heute einen letzten Anlauf bei der Suche nach ihrer leiblichen Familie Sie versucht es auf dem spirituellen Weg In der Schweiz war sie bei einem Medium, das ihr einige Hinweise gegeben hat * Hupen * Jö! Here – Schön. – Ha! Ich wollte Sairah einen schenken Symbolisch Ich wünsche ihr auf der Suche, auf der spirituellen Suche, ihren Schutz Dass sie sich richtig entscheidet und das Richtige für sich auswählt Das war mir jetzt noch wichtig * Entspannte Klänge * Das Medium sagte ihr, sie solle an den Fluss gehen, wenn sie in Kalkutta ist Dort drüben hat es Stauden oder Bäume Ich müsste rübergehen, um sagen zu können, wo genau sie sind Das Medium in der Schweiz sagte, dass meine Verwandten, meine Wurzeln auf der anderen Seite dieser Eisenbrücke wohnen Langsam kribbelt es in mir * Entspannte Klänge * Beim Medium habe ich noch eine Zeichnung gemacht, als sie erzählt hat Das ist der Ganges Und ich müsse über die Eisenbrücke Von der wir gekommen sind Das ist die hier Dort auf der rechten Seite Dort wohnen meine Verwandten Sehe ich das richtig, der Ganges fliesst in diese Richtung? Nein, so – Dann müssten wir … so? Oder, nein, der Ganges fliesst dort runter Es ist etwas oberhalb Sie sagte, bei der Eisenbrücke, es müsste dort oben sein Das Heim ist dort unten Das Kinderheim Sie sagte, dass meine Verwandten etwas ausserhalb von Kalkutta wohnen Also dann gehen wir hier runter und unten durch Und dann schauen wir – Mhm * Hupen * Dieser Turm dort kommt dir überhaupt nicht bekannt vor? Nein Ich stehe ihr zur Seite, obwohl ich mit diesem Medium nie Kontakt aufgenommen hätte Das ist nicht meine Welt Aber mir liegt sehr viel daran, dass Sairah auf ihrem spirituellen Weg eine Begleitung hat Ich kann mir gut vorstellen, dass meine Verwandten wirklich hier sind Ich bin nicht mehr nervös Dann bin ich wahrscheinlich nervöser als du. – Ja Ich bin sehr gespannt, was jetzt passiert Es ist interessant: Ich schaue in die Gesichter der Leute und schaue, wer ihr gleicht Wer ist es? Ich wünsche es dir so sehr Ich wünsche dir so sehr, dass wir endlich einen Anhaltspunkt finden, der uns weiterführt Ja – Eine Bestätigung Die Bestätigung wäre z.B., die Getreidefelder zu finden Hier in dieser Umgebung, das wäre meine Bestätigung * Indische Sitarklänge * Ob Sairah ihre Familie findet, hängt von vielen Faktoren ab Ich habe das Gefühl, dass wir sie heute nicht sehen werden Nur schon das Wetter Ich sehe ein sonniges Bild in mir Heller Sonnenschein, und jetzt ist es dunstig

Auch wenn die Bilder nicht stimmen, fahren die beiden noch ein paar Kilometer weiter an den Stadtrand * Vogelschrei * * Stimmungsvolle Musik * Barbara macht die ersten Schritte durch ihren Heimatort Kolberg Sie möchte möglichst schnell zu ihrem Elternhaus und schauen, ob es noch steht Der Weg führt am Strand entlang, an dem sie früher immer spielte * Melancholische Klavierklänge * Es ist so anders – Ja, ja Früher war es ein Naturstrand, jetzt ist es ein Kunststrand Und Betonstrand Vorne wurde noch etwas Sand aufgeschüttet. – Ja Kolberg ist heute ein bei Polen und Deutschen beliebter Touristenort Jedes Jahr kommen Hunderttausende hierher, um Ferien zu machen Das macht mich ganz betroffen Und Das ist nicht mehr meine Heimat Und Irgendwo hat man doch immer noch einen Rest Sehnsucht nach seinem Geburtsort, an dem man die Kindheit verbrachte Die hatte ich immer Wie schön es war, der Strand Jetzt bin ich hier, und es ist fremd An den Weg zu ihrem Elternhaus erinnert sich Barbara, als ob es gestern gewesen wäre Wir sind immer alleine, ohne Aufsicht, zum Strand gegangen Und ich habe im Gedächtnis, dass es einfach geradeaus geht Ich weiss nicht mehr, ob das stimmt Ich weiss auch nicht, ob das Haus durch ein grösseres ersetzt wurde Ich bereite mich jetzt seelisch darauf vor Dass der Strand nicht mehr das ist, was er war, das finde ich traurig Aber na ja, Strand ist Strand Das Elternhaus kann man nicht so ersetzen wie den Strand Deswegen ist es mir jetzt willkommener, das Haus als den Strand zu sehen Also jetzt krampft sich mein Magen zusammen Sairah sucht am Stadtrand die Hinweise des Mediums Schau, dort vorne hat es grüne Felder Ja, es hat ziemlich grüne Felder Schauen wir mal – Ja, schauen wir nach Jö, Küken Es kommt mir etwas fremd vor Erinnert dich gar nichts an deine Vorstellung? – Nein Was es sein könnte? – Nein * Stimmengewirr * Also Wasser hätte es hier genügend Jetzt bin ich sehr verunsichert Jetzt brauche ich etwas, das mir wieder Halt gibt Jetzt fühle ich mich sehr unsicher Es wird auf jeden Fall gut, das weiss ich Das kommt gut Es ist schwierig Aber Glauben ist auch wichtig Aber das muss ich dir nicht sagen, das machst du

Du glaubst so fest daran, dass das passiert Und ich glaube eigentlich auch, dass du diesen Platz einmal findest Ja Die Sonne – Jetzt verschwindet sie wieder * Melancholische Klänge * Barbara ist mit Markus auf dem Weg zu ihrem Elternhaus, das sie im Zweiten Weltkrieg fluchtartig verlassen hat Du weisst, wo meine Hand ist, wenn du sie brauchst * Sie lachen. * Nach 75 Jahren stellt sie sich ihrer Vergangenheit Aha Dann muss das jetzt die Neun sein Neun sein Siehst du? Völlig anonymisiert Ich hatte auch den Eindruck, dass der Eingang vorne war Da ging man die Stufen nach oben Man ging hier rein durch den Garten Und dieser Erker, oder wie man das nennt, war dort mit dem Balkon Guten Tag, sprechen Sie deutsch? Ich heisse Barbara Crole, ich wohne in der Schweiz Schweizer, ja? Das ist mein Mann Aber ich wurde hier geboren In diesem Haus – Wo? Hier? Wieso ist das alles nummeriert? Hier erkenne ich gar nichts mehr Ähm Aber es wurde nicht zerbombt Es ist eines der wenigen Früher wohnte Barbaras Familie alleine in diesem Haus Heute hat es viele kleine Wohnungen darin Ich glaube, jeder möchte seine Kindheit und Jugend wieder seine Kindheit wieder finden, die so brutal zu Ende ging Ich dachte, wenn ich wieder im Haus bin, kann ich wieder an die Jahre anknüpfen, die ich verloren habe Es ist keine Heimat mehr, es ist nur noch fremd Das ist nicht mehr mein Geburtshaus, das ist nichts mehr, ein anonymes Reihenhaus Das war es * Melancholische Klaviermusik * Das Kapitel ist jetzt abgeschlossen * Sie spricht französisch. * Während Barbara ihre Heimat für immer fremd bleibt, hat Sairah in Indien immer noch etwas Hoffnung, etwas Vertrautes zu finden Unterdessen beginnt in Wettingen eine neue Reise Die des 30-jährigen Ando * Fröhliche Klänge * Ich wurde hier geboren In Jerewan wurde ich geboren Und aufgewachsen? Aufgewachsen bin ich zwischen Jerewan und der Nähe von Aparan Auf der Karte sieht es nahe aus, aber als wir früher

Das und noch viel mehr möchte Ando seiner Freundin Giada zeigen Morgen fliegen sie zusammen nach Armenien Die Grossmutter mütterlicherseits lebt noch dort Wenn ich zum ersten Mal eine armenische Karte vor mir habe und ich sehe, wie weit es von Jere- wan nach Aparan tatsächlich ist Es ist schön, das so zu sehen Macht Freude In der Nähe von Aparan. Ich muss schauen, wo genau Aparan Ando war sieben, als seine Familie von Armenien in die Schweiz flüchtete Seither war er nie mehr in seiner Heimat Jetzt habe ich die Möglichkeit, zurückzukehren Es nach 23, 24 Jahren wieder zu sehen, das ist für mich die grösste Motivation Für mich ist Armenien fremd Ich bin zum ersten Mal auf dieser Seite der Welt Ich höre ab und zu Dinge von Ando, dass die Landschaft sehr schön und das Essen gut ist, die Leute sehr nett sind, davor habe ich keine Angst Aber das mit der Sprache wird problematisch Meine Motivation war immer meine Herkunft Wieso habe ich mich beim Boxen so durchgebissen? Ich habe nie vergessen, woher ich komme Ando hat das Boxen zu seinem Beruf gemacht Als Profi trainiert er mehrere Stunden am Tag Boxen bedeutet mir alles Ohne Boxen wäre ich verloren Das Boxen hat mir sehr viel Rückhalt gegeben Sehr viel Selbstvertrauen Es hat aus mir einen anderen Menschen gemacht * Rocksong: “Out of the Black” von Royal Blood * Ich bin ursprünglich aus Armenien, lebe aber seit 20 Jahren in der Schweiz Ich wurde in Jerewan, Armenien geboren Ich bin halb Schweizer, halb Armenier * Rockige Gitarrenklänge * 1996 flog ich mit der Familie von Jerewan nach Weissrussland Von dort mit dem Fluchtauto nach Polen, von Polen nach Deutschland, von Deutschland nach Frankreich, von Frankreich nach Spanien Mit viel Glück sind wir dann in der Schweiz gelandet Die Odyssee durch Europa dauerte fast drei Jahre Aus dem Flüchtlingsjungen von damals wurde ein erfolgreicher Sportler Ando ist u.a. Schweizer Meister im Superleichtgewicht und auch im Ausland erfolgreich Für den Traum des Profiboxers gab der 30-Jährige alles Seine Familie hatte kein Verständnis für seine Leidenschaft Heute hat Ando keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter und seinen beiden Brüdern * Rasende, sich steigernde Elektromusik * Sie haben nicht an mich und meine Träume geglaubt Böse gesagt haben sie mich fallen lassen Für mich ist das Thema beendet Giada und Ando sind seit fünf Jahren zusammen In ihrer Familie fand er einen Ort, an dem er sich zu Hause fühlt Das sieht gut aus – Das hast du sicher gern Sehr gerne Ando, hast du Hunger? – Boah. – Also, anfangen Ich habe so hart trainiert, ich muss etwas essen Wie viel möchtest du? – Zwei, drei. – Eins Los Giada hat noch zwei Geschwister Für ihren Vater gehört Ando zur Familie Er ist mein vierter Sohn Ja, der vierte Sohn Ich liebe ihn, seit ich ihn das erste Mal gesehen habe Ich dachte, dass er sicher ein lieber Mann ist Das war mein Ja, er ist auch ein Lieber Für mich ist es keine Ersatzfamilie, es ist meine Familie Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie eine so tolle Tochter haben In erster Linie muss ich ihnen Danke sagen, dass ich Giada an meiner Seite habe Du Romantiker Schöne Worte hast du gesagt – Guten Appetit. – Danke Giada und Ando haben schon zusammen Ferien gemacht, aber so weit gereist sind sie noch nie Giadas Mutter macht sich etwas Sorgen Es ist das erste Mal, dass sie weggeht Und dann so eine lange Reise In ein anderes Land Aber ich denke, dass es gut kommt Wenn sie mit Ando zusammen ist, ist sie in guten Händen Der Flug nach Armenien dauert 6 Std Das Land liegt im Kaukasus neben Georgien, Aserbaidschan, der Türkei und dem Iran * Folkloristische Klänge * Am Flughafen der Hauptstadt Jerewan wird Ando erwartet

Von seinem Cousin und seinem Onkel Nach 23 Jahren landet Ando zum ersten Mal wieder in seiner alten Heimat * Sie sprechen armenisch. * Ich konnte es gar nicht glauben Jetzt sehe ich meinen Cousin, aus ihm ist ein Bär geworden Eine richtige Maschine ist er geworden Das freut mich sehr Und er ist Judo-Meister, und Das freut mich jetzt sehr Ich muss das erst realisieren Die Leute hier … das ist etwas ein schönes Gefühl Ich komme noch nicht ganz klar, wahnsinnig Nach 23 Jahren bin ich wieder zurück, sehr schön * Folkloristische Klänge * Nächste Woche bei “Meine fremde Heimat”: Ando wird bewusst, wie sehr ihm Armenien in all den Jahren fehlte Nach so langer Zeit wieder hier zu sein, ist schön Und Sairah sucht in Indien weiter nach ihren Wurzeln Ich habe sehr viel Neues erfahren, bei dem ich gemerkt habe, dass ich jetzt Zeit brauche, um alles zu verarbeiten SWISS TXT AG / Access Services Michaela Hoss – 2020